Die Erfolgsgeschichte vom Veranstaltungsforum fürstenfeld

von Birgit Widmann | 17, Okt., 2026 | kultur

Ein Zisterzienserkloster aus dem 13. Jahrhundert, ein verfallener Ökonomietrakt, ein knapper Stadtratsbeschluss — und daraus ein Haus, in dem Radprofis gegen die Uhr fuhren, 1.500 Bauern tagten und Cosplayer durch barocke Gewölbe liefen. Eine Reise durch die Chronik.

Was stand hier, bevor es das Veranstaltungsforum gab?

Ein Markt. Der Fürstenfelder Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt fand schon 1990 auf dem Areal statt — elf Jahre bevor das Veranstaltungsforum eröffnete. Er zieht bis heute rund 10.000 Besucher im Jahr an. Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Die Leute kamen schon, bevor es ein Haus gab.

Wie knapp war die Entscheidung?

Am 22. April 1997 beschloss der Fürstenfeldbrucker Stadtrat das „Sanierungskonzept Fürstenfeld mit Stadthalle“ — mit 31 zu 8 Stimmen. Acht Gegenstimmen bei einem Vorhaben, das auf rund 40 Millionen Mark geschätzt war. Am 13. November 1999 begannen die Arbeiten, realisiert vom Architektenteam Vogel + Brunninger. Es war das größte Bauvorhaben der Stadt in ihrer neueren Geschichte. Am 5. Oktober 2001 wurde eingeweiht. Einer der Ehrengäste und Redner: der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber. Heute kommen bis zu 300.000 Gäste im Jahr.

Was ist seitdem baulich gewachsen?

Das Haus hat sich in Etappen entwickelt, und man kann die Jahreszahlen wie Jahresringe lesen:

  • 2001 — Stadtsaal mit 924 Plätzen, Altes und Neues Foyer, Säulensaal mit 238 Plätzen, Seminarbereich, Stadtsaalhof mit 1.500 Sitz- und 2.626 Stehplätzen
  • 2002 — Kleiner Saal, 270 Plätze
  • 2004 — die Tenne, 800 Plätze
  • 2006 — Aufzug in der Tenne, ein erster Schritt zur Barrierefreiheit
  • 2014 — Pflasterung des Stadtsaalhofs, Umstellung auf LED, Gastronomietheke in der Tenne
  • 2016 — Umgestaltung des Seminar-Treffs
  • 2026 — neue Saalstühle und eine Akustikdecke

Die Akustikdecke ist mehr als Komfort: Sie verbessert neben der Akkustik die Verständlichkeit für Menschen, die schlechter hören.

Welche Reihen sind in diesen Jahren entstanden?

Fast im Jahresrhythmus kam eine dazu:

  • 2003 — JazzFirst, Schwerpunkt zeitgenössischer europäischer Jazz (Künstlerische Leitung: Irina Frühwirth)
  • 2004 — die Fürstenfelder Konzertreihe, heute KlassikFirst, bis zu 600 Gäste je Abend (Dinis und Susanne Schemann)
  • 2004 — Junge Stars in Fürstenfeld, gemeinsam mit dem Kulturverein Fürstenfeld und der Neuen Philharmonie München
  • 2006 — Paulaner Solo+, der Kabarettwettbewerb, 2013 für Comedy und Kleinkunst geöffnet
  • 2008 — der Fürstenfelder Kirta, inzwischen das größte Kirchweihfest im Landkreis
  • 2009 — Blues & Boogie First, heute BluesFirst
  • 2010 — Theater Fürstenfeld, heute TheaterFirst (Heiner Brummel)
  • 2011 — Alte Musik, heute AlteMusikFirst, im Churfürstensaal vor bis zu 300 Zuhörern (Christine Hochenbleicher)
  • 2014 — Literatur in Fürstenfeld, heute LiteraturFirst (Dr. Thomas Kraft)
  • 2016 — DanceFirst, im Zweijahresturnus (Heiner Brummel)
  • 2016 — das Fürstenfeld Picknick, bei freiem Eintritt
  • 2019 — der Klaviersommer, Konzerte in Wohnzimmer-Atmosphäre
  • 2022 — das Fürstival, ein Open-Air für jüngeres Publikum

Dazwischen lag viermal „Fürstenfeld leuchtet“ — 2005, 2007, 2009 und 2013 —, ein Lichtkunstprojekt, bei dem Architektur, Licht und Musik ineinanderspielen.

Was in dieser Chronik fehlt

Eine Produktion steht in der offiziellen Meilenstein-Übersicht des Hauses nicht — und es ist ausgerechnet die, die das Veranstaltungsforum selbst gemacht hat.

„Wuide Hetz — Eine Fürstenfelder Rauhnachtsgeschichte“, uraufgeführt am 16. Dezember 2017 im Stadtsaal, 110 Minuten einschließlich Pause. Buch und Regie: Winfried Frey, bekannt aus Film und Fernsehen. Musik: der Pianist und Komponist Christian Ludwig Mayer. Produktion: Christine Hochenbleicher — dieselbe, die seit 2011 die Reihe Alte Musik verantwortet. Auf der Bühne standen über 90 Mitwirkende: Emi, ein Mädchen, das von Schule, Handy und zu vielen Hobbys erschöpft ist und in einen Tagtraum fällt. Dort trifft sie Frau Holle alias Frau Perchta, die Hui-Hui-Manderl und die Nebelfrau. Ein Kopfloser aus der Werkstatt des Puppenbauers Martin Köhler. Dazu die Brucker Perchten und das Rauhnachtsgsindl, der Trachtenverein Almfrieden Gröbenzell, das Auwald Consort, Mitglieder des Philharmonischen Chors Fürstenfeld und die Kinderchöre aus Geltendorf und Schöngeising.

Inhaltlich war es kein Brauchtumsabend, sondern eine Kritik: Freys Stück spannt einen Bogen von der konsumorientierten Gegenwart zurück zu den naturbezogenen Bräuchen — und fragt, was dazwischen verlorengegangen ist. Mayer komponierte dafür Neues zu alten Volksliedern. Eine einzige Vorstellung im Dezember 2017, zwei weitere im Jahr darauf. Dann war es vorbei. Der Trachtenverein Almfrieden Gröbenzell übrigens, der 2017 bei der Hetz mitwirkte, steht am 18. Oktober 2026 wieder auf der Stadtsaalbühne — beim Fürstenfelder Kirta, von 12.15 bis 13 Uhr.

Warum heißen auf einmal alle Reihen „First“?

Das ist gerade im Gange. JazzFirst gibt es seit 2003 — und 2026 ziehen die anderen nach: aus der Fürstenfelder Konzertreihe wird KlassikFirst, aus Theater Fürstenfeld TheaterFirst, aus Alte Musik AlteMusikFirst, aus Literatur in Fürstenfeld LiteraturFirst. Im Jubiläumsjahr also nicht nur neue Stühle, sondern auch ein neues Namensdach. Wer die alten Reihennamen im Kalender stehen hat, sollte beim Suchen daran denken.

Wer stand auf diesen Bühnen?

Bei den Open-Airs unter anderem Max Giesinger, Seiler & Speer, Haindling, Helge Schneider, Chris de Burgh und die Spider Murphy Gang. Im Kabarett Gerhard Polt, Dieter Hildebrandt, Urban Priol, Erwin Pelzig und Josef Hader — mehrfach. 2013 vergab der Bayerische Rundfunk hier den Salzburger Stier. Die beiden Veranstaltungstage wurden live auf Bayern 2, MDR Figaro, Ö1 und dem RAI Sender Bozen übertragen.

Und was passierte sonst noch rund um das Kloster?

Das ist der Teil, bei dem man zweimal hinschaut:

  • 2012 — der Deutsche Bauerntag. Rund 1.500 Delegierte und Gäste, eine der größten Tagungen, die Fürstenfeld je gesehen hat.
  • 2012 — die FFB Snooker Open. Der Stadtsaal war Austragungsort der Finalspiele der europäischen Snooker-Tour, das Finale lief auf Eurosport.
  • 2022 — European Championships München. Das Einzelzeitfahren der Männer und Frauen im Radsport startete und endete hier.
  • Seit 2009 — die aniMUC, nach Angaben des Hauses die größte Anime- und Manga-Convention Süddeutschlands. Die barocke Kulisse gilt unter Cosplayern als Geheimtipp.
  • Seit 2006 — die Erlebniswelt Fliegenfischen. Über 100 Aussteller aus mehr als 25 Ländern, dazu internationale Spitzenwerfer und über 40 Fliegenbinder.
  • 2013 — der Weltkongress Konduktive Förderung, erstmals in Deutschland, unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Ursula von Bayern und Peter Maffay. Vier Tage, über 700 Besucher aus 30 Ländern.

Dazu die Dauerbrenner: Seit 2002 die Fürstenfelder Gartentage mit über 260 Ausstellern und bis zu 40.000 Gästen — der größte Publikumsmagnet des Hauses. Seit 2003 die Internationalen Naturfototage mit bis zu 12.000 Besuchern. Seit 2011 das Zukunftsforum Schreiner, seit 2015 der Tag der Industriekommunikation. Und, fast nebenbei: Kinosommer, Weinmesse, BLLV-Tag, Mittelaltermarkt, Tattoo-Convention, Oster- und Adventsmarkt.

Was sagt das über ein Haus?

Dass zwischen einem Fliegenfischer, einem Cosplayer und einem Landwirtschaftsdelegierten derselbe Saal steht, ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung. Drei Säle, eine Tenne, Seminarräume und ein Hof, der 2.600 Menschen fasst — das lässt sich für fast alles umbauen. Vor neunundzwanzig Jahren stimmten acht Stadträte dagegen.

Häufige Fragen zum Veranstaltungsforum Fürstenfeld

Wann wurde das Veranstaltungsforum eröffnet?
Am 5. Oktober 2001. Der Stadtratsbeschluss fiel am 22. April 1997 mit 31 zu 8 Stimmen, die Bauarbeiten begannen am 13. November 1999.

Wie viele Gäste kommen im Jahr?
Bis zu 300.000. Welche Säle gibt es? Stadtsaal mit 924 Plätzen, Kleiner Saal mit 270, Säulensaal mit 238, die Tenne mit 800, dazu Seminarräume und der Stadtsaalhof mit 1.500 Sitz- und 2.626 Stehplätzen.

Welche Veranstaltung hat die meisten Besucher?
Die Fürstenfelder Gartentage mit bis zu 40.000 Gästen.

Welche Veranstaltung gab es schon vor der Eröffnung?
Der Fürstenfelder Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt, seit 1990 — elf Jahre vor der Eröffnung des Veranstaltungsforums.

Wo liegt das Veranstaltungsforum?
Im ehemaligen Klosterareal Fürstenfeld, Fürstenfeld 12, 82256 Fürstenfeldbruck.

✨ VIP PARTNER

🏢 Veranstaltungsforum fürstenfeld

📍 Adresse: Fürstenfeld 12

📮 PLZ: 82256

📍 Ort: Fürstenfeldbruck

🗺️ Route in Google Maps

📍 Mehr zu diesem Ort: Veranstaltungsforum fürstenfeld

* Affiliate-Link. Buchst du darüber, erhalten wir eine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts.

📞 Tel: +49 81 41 66 65 14 0

✉️ E-Mail: Kontaktieren

Du kennst eine besondere Adresse in der Nähe? Wir freuen uns über Empfehlungen.

Die eventuell angegebenen Buchungslinks führen Sie auf Seiten von Drittanbietern. Hierfür erhalte ich eine kleine Provision, der Preis für Sie bleibt unverändert.