MATINEE UM ELF in Polling: Wie aus Krankenhauskonzerten eine Konzertreihe wurde

von Birgit Widmann | 2, Okt., 2026 | veranstaltungen

Ein Saal des Rokoko, den nach der Säkularisation niemand mehr benötigte. Ein Kinderarzt, der ihn 1971 wiederentdeckte und zum Leben erweckte. Ein Chirurg, der fast vierzig Jahre später eine Konzertreihe darin aufbaute.

Bei der „MATINEE UM ELF“ des PODIUM MUSICALE e. V. spielen junge Musikerinnen und Musiker bei freiem Eintritt gegen Spende. Wir waren am 27. September beim Klavierabend von Johannes Obermeier.

 

Am 27. September 1975 begann hier um 10 Uhr der Festakt zum Abschluss der Renovierung. 51 Jahre und eine Stunde später steht Helmut Fietzek vor denselben Stuhlreihen und erinnert daran, bevor er den Künstler begrüßt. Es ist ein Sonntagvormittag Ende September 2026, draußen strahlender Sonnenschein, bestes Wetter für den See oder die Berge. Und doch ist der Bibliotheksaal Polling fast bis zur letzten Reihe besetzt. Vorne am Flügel sitzt Johannes Obermeier, sein Programm heißt „Beyond Words“. Wer diese Matinee einmal erlebt hat, versteht, warum die Leute kommen. Es ist einer der schönsten Konzertsäle Oberbayerns — und einer mit der besten Akustik. Dass es ihn überhaupt noch gibt, verdankt er einem Kinderarzt. Dass hier auch dann noch Konzerte stattfinden, wenn das kommerzielle Geschäft schwierig wird, verdankt er einem Chirurgen.

Was ist die „MATINEE UM ELF?

Eine Konzertreihe des gemeinnützigen Vereins PODIUM MUSICALE e. V., die es seit 2009 gibt. Bis zu sieben Konzerte im Jahr, jeweils am Sonntag um 11 Uhr im Bibliotheksaal Polling. Der Zweck ist klar umschrieben: Junge Musikerinnen und Musiker sollen eine Bühne bekommen — und zwar eine renommierte. Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Und übernimmt dafür die Saalmiete, die Werbekosten und die Künstlerhonorare. Für das Publikum bedeutet das Kammermusik auf hohem Niveau für einen Beitrag, den jeder selbst bestimmt. Das ist ein Modell, das anderswo selten geworden ist. In einer Kulturszene, in der Nachwuchskünstler oft auf eigene Kosten auftreten, ist dieser Verein ein echter Schatz.

Wer hat den Bibliotheksaal gerettet?

Dr. Ernst Wittermann, Kinderarzt. Den Anstoß gab ihm sein Freund Dr. Ottmar Schubert, Landeskonservator: Wenn es einen Verein gebe, seien öffentliche Fördermittel zu bekommen. 1971 gründete Wittermann deshalb den „Verein der Freunde des Pollinger Bibliotheksaals e. V.“. 1972 begann die Sanierung. 1974 schenkte der damalige Eigentümer Adolf Streicher, Ökonom,  dem Verein das gesamte Gebäude. Am 27. September 1975 wurde der Saal nach drei Jahren Arbeit feierlich wiedereröffnet — mit dem Smetana-Quartett aus Prag. Der Verein hält den Saal bis heute, seine Vorsitzende ist Hanne Wittermann — die Schwiegertochter des Kinderarztes. Was der Schwiegervater 1971 gegründet hat, führt sie engagiert und erfolgreich weiter. Das ist eine große Herausforderung: Ein Rokokobau dieser Größe kostet Geld, Erhaltungs- und Modernisierungskosten entstehen, auch wenn niemand darin auftritt. Unter anderem spenden und veranstalten Sonderkonzerte die Lions Clubs und der Rotary Club Weilheim.

Wie kam der Saal überhaupt in diesen Zustand?

Gebaut wurde er zwischen 1776 und 1779, als letzte große Baumaßnahme des Augustiner-Chorherrenstifts Polling. Auftraggeber war Propst Franziskus Töpsl, Baumeister Matthias Bader, die Deckenfresken malte Johann Baader, den Stuck fertigte Thassilo Zopf aus der Wessobrunner Schule. Nach der Säkularisation 1803 wurde die Bibliothek nicht mehr gebraucht. Was folgte, waren fast 170 Jahre wirtschaftliche Nutzung — der Saal diente als Lager und Wirtschaftsraum. Kurz vor der Rettung, so erzählte es Helmut Fietzek an diesem Vormittag, sei der Raum fast im Taubendreck untergegangen. Es existierte nur noch ein Pilaster. Heute sind wieder alle  vollzählig und jeder trägt den Namen des Spenders am Kopfteil.

Wie wurde die Akustik entdeckt?

Durch Zufall, und zwar 1973 — mitten in der Bauphase. Um Mitglieder für den neuen Verein zu werben, veranstalteten die Retter eine Hausmusik auf der Baustelle. Dabei fielen Georg Hörtnagel und Ernst Wittermann auf, welch außergewöhnliche Akustik dieser Raum hat und das Konzept der Konzertreihen wurde geboren. Seither gilt der Bibliotheksaal als einer der akustisch besten Konzerträume Deutschlands und ist für CD / DVD Aufnahmen und Filmarbeiten gesucht. Über 600 Konzerte haben seit der Wiedereröffnung stattgefunden, viele mit international bekannten Namen. Die Pointe daran: Der Saal wurde als Bibliothek gebaut, nicht als Konzertsaal. Seine besondere Qualität ist eine zufällig entdeckte Eigenschaft, die bei der Planung niemand beabsichtigt hatte.

 

Ein weites Sonnenblumenfeld in voller Blüte, dahinter eine Baumreihe, über die der spitze Kirchturm der Pollinger Stiftskirche mit vergoldetem Kreuz ragt, darüber wolkenloser blauer Himmel

Ende September steht bei Polling noch das Sonnenblumenfeld, dahinter der Turm der Stiftskirche.

Wer hat das PODIUM MUSICALE gegründet?

Prof. Dr. Gerald Hauer, chirurgischer Chefarzt und ärztlicher Direktor des Krankenhauses in Weilheim. Er hat in seinem Beruf unter anderem neue Operationsmethoden entwickelt — und war zugleich selbst Pianist. Angefangen hat alles nicht in Polling, sondern 2004 in der Eingangshalle des Krankenhauses. Hauer war der Initiator der „Matinée im Krankenhaus Weilheim“, Konzerte dort, wo er arbeitete. 32 Konzerte nach dem gleichen Konzept wie der heutige Verein PODIUM MUSICALE wurden bis 2014  im hauseigenen Fernsehkanal des Krankenhauses übertragen, um jedem Patienten den Zugang zu den Konzerten zu ermöglichen.
Seine Devise war: Musik heilt.

2009 gründete er den Verein PODIUM MUSICALE und wurde in der Gründungsversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten auch seine Frau Ursula Hauer, Hanne Wittermann und Helmut Fietzek. Gerald Hauer starb 2023. Seine Witwe führt den Verein weiter, den ihr Mann begonnen hat.  Und hier schließt sich ein Kreis von über fünfzig Jahren Geschichte. Im heutigen Vorstand des PODIUM MUSICALE e. V. sind Helmut Fietzek (1. Vorstand, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Ursula Hauer (2. Vorstand, Mediendesign), Hanne Wittermann (Schriftführung), Angela Zirngibl (Finanzen) und Walter Habermann (Organisation). Fietzek war Studiendirektor und Seminarleiter für das Studienseminars Geschichte  am Gymnasium in Weilheim — und diese Professionalität hört man, wenn er ein Programm ankündigt.

 

Ursula Hauer steht in rotem Kleid mit weit ausgebreiteten Armen lachend auf einem schmalen asphaltierten Feldweg, links hohe Bäume, rechts ein blühendes Sonnenblumenfeld, im Hintergrund gehen zwei Personen den Weg entlang, strahlend blauer Himmel

Ursula Hauer vom Vorstand des PODIUM MUSICALE e.V. auf dem Weg von Polling zur Stoa 169.

Wer begrüßt die Gäste am Eingang?

Ursula Hauer. Und sie hat das Programmheft in der Hand, das sie selbst gestaltet hat. Das gesamte grafische Erscheinungsbild des Vereins kommt von ihr: die Plakate, die Ankündigungen, die Webseite, die Programmhefte,  für jede einzelne Matinee. Sie legt sie nicht aus und wartet, ob jemand zugreift — sie steht am Eingang, begrüßt die Leute und gibt ihnen das Heft in die Hand. Wer hereinkommt, hat für zwei Euro das Programm des Vormittags. Als Kunsterzieherin kann sie komplizierte Sachverhalte sichtbar machen, die man sonst lange erklären muss. Sie hat dieses Können für ihren Mann eingesetzt und seine Erfindungen und Visionen bildlich dargestellt für internationales Fachpublikum.  Heute setzt sie ihr Können unter anderem für die Konzertreihe des PODIUM MUSICALE ein. Wie viel Arbeit dahintersteckt, wissen Branchenkenner: Mediendesign, Gestaltung, Druck, Verteilung, Begrüßung, Medienarbeit, Vorstand. Es gibt Kulturbetriebe mit bezahlten Stellen, die weniger auf die Beine stellen.

Warum ist dieser Verein für den Saal so wichtig?

Weil die große, kommerziell getragene Konzertreihe im Haus kleiner geworden ist. Die Reihe der Konzertdirektion Hörtnagel läuft weiter, auch nach dem Tod ihres Gründers — eine Münchner Konzertdirektion hat sie übernommen. Aber in Polling lassen sich nicht so viele Karten verkaufen wie im Münchner Herkulessaal. Von ursprünglich drei Konzertreihen und zwölf Abonnementskonzerten ist eine Reihe mit sechs Konzerten plus Neujahrskonzert geblieben. Was beim Rundgang durch die Kellerausstellung dazu gesagt wurde, fasst die Lage gut zusammen: „Es ist halt so. Dafür haben wir PODIUM MUSICALE, die jetzt eben wieder wie heute neue Künstler gerne wieder einladen. Also ich denke, es wird schon weitergehen.“ Dazu kommen weitere Konzertreihen: „Musik im Pfaffenwinkel“, organisiert von der Wieskirche aus, und das junge POLLIPHONIC Festival, von zwei Brüder vor wenigen Jahren gegründet und das nach der Eröffnung im Bibliotheksaal in Polling auch an verschiedenen Orten, wie im Fischerbau gegenüber, in der Säulenhalle der Stoa 169 (mit farbiger Illuminienation) im Buchheim Museum Bernried stattfindet. Der Verein der Freunde der Volksmusik veranstaltet viermal im Jahr mit Karl Edelmann feinste Volksmusikkonzerte auf hohem Nivau.

Was spielte Johannes Obermeier?

Johannes Obermeier ist 28 Jahre alt, Pianist und Komponist, und seit kurzem Professor für Klavier und Kammermusik an der Musikhochschule Stella Vorarlberg. Sein letzter Auftritt in Polling liegt vier Jahre zurück. Das Programm hieß „Beyond Words“ und ist zugleich der Titel seines neuesten Albums. Obermeier erklärte den Titel vom Flügel aus: „Beyond words“ meine das, was in Worten nicht mehr zu erreichen sei. Das ist ungewöhnlich für einen Konzertpianisten. Meist wird gespielt und die Erklärung dem Programmheft überlassen. Obermeier führte in jedes Stück selbst ein — und machte den Vormittag damit zu einem besonderen Erlebnis. Musik mit ihrem fachlichen Hintergrund zu hören, ist eine Bereicherung. Gespielt wurden sieben Werke:

Vor der Pause

  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Auswahl aus „Lieder ohne Worte“
  • Johannes Obermeier: „Thema mit Variationen über As-C-H“ (eigene Komposition)
  • Franz Liszt: Mephisto-Walzer Nr. 1

Nach der Pause

  • Felix Mendelssohn Bartholdy: weitere Auswahl aus  „Liedern ohne Worte“
  • Felix Mendelssohn Bartholdy: „Rondo capriccioso“
  • Franz Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr. 12
  • Johannes Obermeier: Konzertparaphrase über „Die Fledermaus“

Als Zugabe folgte noch einmal Mendelssohn.

Zu Mendelssohn sagte er, der Komponist habe mit den „Liedern ohne Worte“ eine eigene Gattung begründet: poetischer Gesang am Klavier, ohne Sängerin, ohne Begleitung. Entstanden sind sie zwischen 1832 und 1845 — Mendelssohn war Anfang zwanzig, als er begann, und starb 1847. Insgesamt sind es 48 Stücke, veröffentlicht in acht Heften zu je sechs. Dass es gerade Hefte wurden, hatte auch einen handfesten Grund: In Paketen verkaufte sich die Musik besser als einzeln. Chronologisch geordnet sind sie nicht, man kann frei auswählen. Obermeiers Auswahl kam aus Opus 19, Opus 67 und Opus 102.

Was ist das As-C-H-Motiv?

Das Herzstück des Vormittags. Obermeiers eigene Komposition entstand 2020 als Auftragswerk, und sie passt aus einem einfachen Grund zum Programmtitel: As-C-H sind klingende Buchstaben. In der deutschen Notenschrift lässt sich die Buchstabenfolge unmittelbar in Töne lesen — As, C und H. Die Buchstaben sind zugleich Teile der Initialen desjenigen, der das Werk in Auftrag gab. Dieses Motiv hat Geschichte. Robert Schumann hat es wiederholt verwendet, am bekanntesten im „Carnaval“ op. 9, wo er genau diese Tonfolge als eine seiner drei „Sphinxes“ an den Anfang stellt. Obermeier baut es anders auf: Ein Choral stellt das Motiv vor, weitere Stimmen aus diesem Choral werden zu Themen, die in den Variationen wiederkehren und verarbeitet werden.

Acht Variationen sind es, in der Mitte eine sehr romantische, dann ein großer Übergang und zum Schluss eine Fuga quadruplex — eine vierfache Fuge mit vier verschiedenen Themen gleichzeitig. Er sagte selbst, man werde nicht alles heraushören, und gab den Zuhörern den Rat, auf die Themen vom Anfang zu achten, sie kommen in der großen Fuge alle wieder. Dass das Stück schwierig ist, verschwieg er nicht — und es wirkte nach bis in die Pause.

Und der Mephisto-Walzer?

Der beschloss die erste Hälfte. Liszts Mephisto-Walzer Nr. 1 ist die zweite der „Zwei Episoden aus Lenaus Faust“ und trägt den Untertitel „Der Tanz in der Dorfschenke“. Liszt schrieb ihn für großes Orchester und übertrug ihn selbst auf das Klavier. Zum Programmtitel passt er perfekt: Musik, die eine Szene aus einem Gedicht erzählt, ohne ein Wort davon zu sprechen.

Und das Rondo capriccioso?

Das Stück nach der Pause führt nach München. Den virtuosen schnellen Teil schrieb Mendelssohn am 4. Januar 1828 als eigenständige Etüde, einen Monat vor seinem neunzehnten Geburtstag. Zwei Jahre später war er in München und traf dort Delphine von Schauroth, damals siebzehn und eine herausragende Pianistin. Sie war es, die ihn drängte, das Stück noch einmal anzufassen. Er stellte dem draufgängerischen Presto eine ruhige, poetische Einleitung voran — und widmete ihr das Ganze. Auch sein erstes Klavierkonzert widmete er ihr später. Geheiratet haben die beiden nie. Geblieben ist die Musik.

Was hat Liszt in Ungarn gehört?

Bei der Ungarischen Rhapsodie Nr. 12 erzählte Obermeier die Entstehungsgeschichte der ganzen Serie. Neunzehn Rhapsodien sind es insgesamt. Mit dem Stoff beschäftigte sich Liszt ab der Mitte der 1840er-Jahre, rund ein Jahrzehnt lang, und kehrte in den 1880er-Jahren noch einmal zu ihm zurück — dann in seiner späten, tonal immer weiter abdriftenden Sprache. Die Nummer 12 gehört noch nicht dazu. Zwischen 1845 und 1855 reiste Liszt durch Ungarn und weiter nach Osten, bis in das heutige Rumänien. Was ihm dort auf Bühnen und in Lokalen vorgespielt wurde, hielt er für das Original. Tatsächlich war es eine längst für die Bühne bearbeitete Fassung — „ein bisschen Zirkusmusik“, wie Obermeier es nannte. Liszt nahm es für echt und übertrug alles aufs Klavier: Motive, Melodien, Tonleitern, die improvisatorischen Stellen, die Freiheit.

Rund fünfzig Jahre später zogen Béla Bartók und Zoltán Kodály mit Aufnahmegeräten in die Dörfer, hielten tausende Melodien fest und kamen zu einem anderen Ergebnis: Was in den ungarischen Dörfern gesungen wurde, klang deutlich anders als das, was Liszt auf den Bühnen gehört hatte. Liszt sei eben nicht am Bauernhof um die Ecke gewesen, sagte Obermeier, sondern auf den Bühnen dieser Welt. Populär wurde seine Fassung trotzdem — ganz besonders die Nummer 12. Und das ist kein Widerspruch: Die Rhapsodien sind großartige Klaviermusik. Sie sind nur nicht das, wofür Liszt sie hielt.

Was gab es in der Pause zu sehen?

Im Keller des Bibliothekssaals Polling ist eine Ausstellung zur Geschichte des Saals zu sehen, mit Plakaten und Programmen aus den vergangenen Jahrzehnten. In der Konzertpause führte spontan jemand vom Verein durch die Räume und erzählte die Geschichten dahinter — welche Künstler hier aufgetreten sind, welche Weilheimer Schülerinnen und Schüler hier ihr erstes Konzert gegeben haben, wie es um das Haus steht. Wer die Geschichte des Hauses kennenlernen will, sollte die Ausstellung im Keller besuchen.

Was kostet der Eintritt?

Der Eintritt zur Matinee um Elf ist auf Spendenbasis — man gibt, was man will und kann. Erwerben kann man das Programmheft für 2 Euro, von Ursula Hauer gestaltet und persönlich am Eingang verteilt: ein guter Begleiter durch das Programm und eine Erinnerung an einen schönen Vormittag.

Wann ist das nächste Konzert?

Am Sonntag, 22. November 2026, um 11 Uhr: „Bach und die Bachs“ mit dem Ensemble Almanach — ein Quintett aus Kontrabass, Klarinette, Sopran, Akkordeon und Hackbrett. Alpenländisches Instrumentarium für klassisches Repertoire, in eigens angefertigten Arrangements. Ein bewusster Stilbruch, und genau deshalb interessant. Danach geht es am 17. Januar 2027 um 11 Uhr mit dem Trio Tovesco weiter: Violine, Violoncello und Klavier.

Vier Personen stehen lächelnd nebeneinander im Biergarten unter einem Kastanienbaum: Ursula Hauer in rotem Kleid, der Pianist Johannes Obermeier im dunklen Rollkragenpullover, Helmut Fietzek im blauen Hemd und Hanne Wittermann im blauen Blazer

Nach dem Konzert im Biergarten (von links): Ursula Hauer, 2. Vorstand und Mediendesignerin, der Pianist Johannes Obermeier, der 1. Vorstand Helmut Fietzek und Hanne Wittermann, Schriftführerin.

Was macht man nach dem Konzert?

Das Konzert ist gegen 12.30 Uhr zu Ende, und damit beginnt in Polling ein weiteres Highlight des Sonntags. Gleich neben dem Saal liegt der Biergarten — schattige Kastanien, gute Küche, man sitzt noch mit den Musikern zusammen. Und wer ein paar Minuten weiterfährt, erreicht den Skulpturenpark Stoa 169: 121 Säulen, jede von einem anderen Künstler aus aller Welt gestaltet, unter einem offenen Dach. Am Eingang werden 5 Euro erbeten. Dort gibt es auch ein Begleitheft zu kaufen, in dem zu jeder einzelnen Säule die Geschichte und der Künstler stehen — wer tiefer einsteigen will, ist damit gut beraten. Geparkt wird am alten Bahnhof in Polling, von dort geht es zu Fuß weiter; Fahrwege gibt es nicht und das ist auch so gewollt: die Verbindung von Kunst und Natur. Etwas kürzer ist der Weg von der Staatsstraße Richtung Peißenberg, von dort sind es rund zehn Minuten. Matinee, Biergarten, Stoa 169 — das ist ein perfekter Sonntagsausflug im Pfaffenwinkel.

Zwei weiße Infotafeln am Eingang der Stoa 169 mit Besucherhinweisen und einer Liste der Förderer, dahinter über einer Wiese die offene Säulenhalle mit bunten Säulen, rechts hängende Weidenzweige, blauer Himmel

Am Eingang stehen die Hinweise: fünf Euro Eintritt, Kinder frei, ganzjährig geöffnet. Dahinter beginnt die Säulenhalle.

 

 

Blick in den Innenhof des Klosters Polling: eine gelb-weiße Barockfassade mit geschwungenen Giebeln, darunter ein Rundbogentor mit gemaltem Wappen und schwerer Holztür, davor kugelförmig geschnittene Buchsbäume, ein Kopfsteinpflasterweg und rechts ein weißes schmiedeeisernes Gartentor

Durch dieses Tor von der Straße aus sowie durch den Klosterhof geht es in den Bibliotheksaal.

Wie kommt man hin?

Der Bibliothekssaal liegt in der Weilheimer Straße 1 in 82398 Polling, direkt neben der Pfarrkirche. Mit der Bahn geht es bis Weilheim — von München Hauptbahnhof etwa 30 Minuten —, von dort weiter mit dem Taxi oder einer der wenigen Busverbindungen. Mit dem Auto sind es von Starnberg rund 35 Minuten.

 

Blick in den barocken Bibliothekssaal des Klosters Polling mit Deckenfresken, weißen Säulen und umlaufender Empore; vorne spielt der Pianist Johannes Obermeier am Flügel vor vollbesetzten Stuhlreihen, daneben ein rotes Banner mit dem Schriftzug Podium musicale e.V.

Johannes Obermeier am Flügel im Bibliotheksaal des Klosters Polling – einem der schönsten Säle Oberbayerns.

Häufig gestellte Fragen zur MATINEE UM ELF in Polling

Was ist die „Matinee um Elf“?
Eine Konzertreihe des PODIUM MUSICALE e. V. im Bibliothekssaal Polling, die es seit 2009 gibt. Bis zu sieben Konzerte im Jahr, jeweils sonntags um 11 Uhr, gespielt von jungen Musikerinnen und Musikern.

Was kostet der Eintritt?
Der Eintritt ist eine Spende in beliebiger Höhe. Am Eingang gibt es ein Konzertheft mit dem Programm für 2 Euro. Eine Reservierung ist in der Regel nicht nötig.

Wann ist das nächste Konzert im Bibliothekssaal Polling?
Am 22. November 2026 um 11 Uhr spielt das Ensemble Almanach „Bach und die Bachs“. Am 17. Januar 2027 folgt das Trio Tovesco.

Wer hat das PODIUM MUSICALE gegründet?
Prof. Dr. Gerald Hauer, Chefarzt in Weilheim und selbst Pianist. Er initiierte die „Matinée im Krankenhaus Weilheim“ und gründete 2009 den Verein PODIUM MUSICALE e. V. Er starb 2023; seine Witwe Ursula Hauer und Helmut Fietzek führen den Verein weiter.

Wer hat den Bibliothekssaal Polling gerettet?
Der Kinderarzt Dr. Ernst Wittermann. Er gründete 1971 auf Anregung des Landeskonservators Dr. Ottmar Schubert den „Verein der Freunde des Pollinger Bibliotheksaals e. V.“. Die Sanierung lief von 1972 bis 1975, die Wiedereröffnung war am 27. September 1975.

Warum ist der Bibliothekssaal Polling für seine Akustik bekannt?
Der Saal wurde 1776 bis 1779 als Klosterbibliothek gebaut. Seine akustischen Eigenschaften wurden erst 1973 bei einer Hausmusik während der Renovierung entdeckt — sie waren von den Erbauern nicht beabsichtigt.

Wo liegt der Bibliothekssaal Polling?
Weilheimer Straße 1, 82398 Polling, neben der Pfarrkirche. Von München mit der Bahn bis Weilheim, etwa 30 Minuten, von dort mit dem Taxi.

Was kann man in Polling mit einem Konzertbesuch verbinden?
Den Biergarten direkt neben dem Saal und den Skulpturenpark Stoa 169 mit seinen 121 Säulen, wenige Minuten entfernt.

Text und Fotos: Copyright Birgit M. Widmann

🏢 PODIUM MUSICALE e.V.

📍 Adresse: Waxensteinstraße 8

📮 PLZ: 82362

📍 Ort: Weilheim

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📞 Tel: +49 162 94 20 113

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