Spielzeit 2026/2027 – Bayerische Staatsoper München

von Birgit Widmann | 5, Aug., 2026 | magazinartikel

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„Verging wie Hauch der Götter Geschlecht“ – unter diesem Motto stellt die Bayerische Staatsoper die Vollendung von Wagners Ring des Nibelungen ins Zentrum einer Spielzeit über Macht, Vergänglichkeit und Neuanfang, mit 32 Opern aus vier Jahrhunderten und zwei kompletten Ring-Zyklen zum Saisonabschluss.

Beste Reisezeit / Termine: Spielzeit 2026/2027, Höhepunkt bei den Münchner Opernfestspielen am Saisonende

Die Spielzeit 2026/2027 präsentierten auf der Bühne des Nationaltheaters: Staatsintendant Serge Dorny, Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski und Ballettdirektor Laurent Hilaire. Die Programmhighlights zeigen den roten Faden des Spielzeitmottos: „Verging wie Hauch der Götter Geschlecht“.
„Was bleibt, ist Verantwortung, selbst absolute Machtverhältnisse sind vergänglich“, so Dorny in seiner Eröffnungsrede. Gesellschaft und Machtverhältnisse sind fragil, die Demokratie steht unter Druck. Historisch entstand beim Niedergang der Götter die Frage – was kommt danach?

Die grundlegende Betrachtung ist: Wie entstehen Gesellschaften und Sicherheiten in Zeiten, in denen Vertrauen und Antworten noch nicht da sind? Heute sind die Schlussworte aus Richard Wagners Oper Götterdämmerung aktueller denn je. Wagners Ring der Nibelungen beleuchtet richtungsweisend die Zeiten des Übergangs als zentrales Projekt der kommenden Spielzeit.

Mit der Vollendung der Neuinszenierung des Ring des Nibelungen erreicht die kommende Spielzeit einen künstlerischen Höhepunkt und erschließt zugleich einen zentralen Zusammenhang. Richard Wagners Tetralogie führt das Zerbrechen höherer Ordnungen vor Augen und stellt die Frage, wie sich der Mensch in einem entstehenden Machtvakuum orientiert. Dieser Gedanke spiegelt sich in den Neuproduktionen der gesamten Saison.

Am Beginn und am Ende der neuen Spielzeit stehen die Premieren von Richard Wagners Siegfried und Götterdämmerung in der Regie von Tobias Kratzer und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski. Nachdem in Siegfried der titelgebende Held zunächst den Fortbestand des alten Herrschaftssystems zu gewährleisten scheint, zeigt Götterdämmerung schließlich dessen Niedergang.

Auch die weiteren Neuinszenierungen nehmen Macht, Moral und innere Zerrissenheit in den Blick: Gaetano Donizettis Maria Stuarda, John Adams‘ Doctor Atomic, Pjotr Tschaikowskis Mazeppa, Jules Massenets Werther und Benjamin Brittens Death in Venice zeigen Figuren im Spannungsfeld zwischen politischem Anspruch und persönlicher Integrität auf der Suche nach Haltung und Orientierung oder im Scheitern daran.

Am Ende der Saison werden im Rahmen der Münchner Opernfestspiele zwei vollständige Ring-Zyklen präsentiert. Sie erzählen die Geschichte von Aufstieg und Fall der Götter – sinnfällig und nachvollziehbar.

Das Repertoire der Spielzeit BSO 26/27 präsentiert 32 Opern aus vier Jahrhunderten: von Händel und Mozart über Belcanto und Romantik bis zu Werken des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Zum Beispiel Richard Wagners Tannhäuser mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie sowie Parsifal mit Christian Gerhaher, Elīna Garanča und Clay Hilley. Gaetano Donizettis L’elisir d’amore kehrt mit Xabier Anduaga und Serena Sáenz in den Hauptpartien zurück, und Georg Friedrich Händels Semele ist nach dem Erfolg während der Münchner Opernfestspiele 2023 mit Louise Alder und Jakub Józef Orliński auf der Bühne des Nationaltheaters zu erleben. Außerdem zu erleben: Giuseppe Verdis Un ballo in maschera mit Piotr Beczała und Anastasia Bartoli in den Hauptpartien sowie Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier mit u. a. Nicole Car, Matthew Rose und Katharina Konradi.

Welches Programm bietet das Bayerische Staatsorchester in der Spielzeit 2026/2027?

Die Konzertprogramme des Bayerischen Staatsorchesters fügen sich in die thematische Linie der Spielzeit ein. Die Akademiekonzerte widmen sich der Klassik und Romantik im deutschsprachigen Raum, der frühen Moderne und dem französischen Repertoire. Vladimir Jurowski dirigiert drei Konzerte; Edward Gardner kehrt ans Pult des Bayerischen Staatsorchesters zurück; Robin Ticciati und Stéphane Denève sind erstmals mit dem Bayerischen Staatsorchester zu erleben.

Vielfältige Besetzungen und spannende Klangmischungen prägen die Kammerkonzerte: von Schlagwerk und Streichern über Holzbläserquintett bis zum Streichquartett. Ein besonderer Schwerpunkt gilt Ludwig van Beethoven im Lichte seines zweihundertsten Todestages. In einem saisonübergreifenden Zyklus unter dem Titel „Götterfunken“ stehen zentrale ebenso wie selten gespielte Werke von oder in Verbindung zu Beethoven im Fokus.

Götterfunken mit neun Konzerten verteilen sich auf die ganze Spielzeit mit Musik für Streicher, Bläser, Klavier und Gesang. Kammermusikensembles vom Klaviertrio übers Streichquartett bis zu Schlagzeugformationen werden in der Allerheiligen-Hofkirche und im Cuvilliés-Theater zu erleben sein. Die Themenkonzerte bringen neuerlich einen Austausch von Musik und Wissenschaft.

Vladimir Jurowski spannt mit seinen Konzerten einen Bogen über die Spielzeit und stellt an ihren Beginn und an ihr Ende zwei romantische Symphonien:

im 1. Akademiekonzert die dritte Symphonie von Johannes Brahms und im 6. die neunte von Gustav Mahler. Außerdem widmet er sich Arthur Honeggers Symphonie liturgique: eine erschütternde Anklage gegen den Krieg und ergreifender Ausdruck des Wunsches nach seiner dauerhaften Überwindung.

Besonders am Herzen liegt Jurowski das Klavierkonzert Nr. 4 von Beethoven, das er zum ersten Mal überhaupt dirigiert. Eine stille Revolution war es, die Beethoven mit diesem Werk unternahm, weil er das Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen veränderte – unter anderem, indem hier das Klavier, anders als bis dahin üblich, als erstes das Wort ergreift, und still, weil es das zunächst mit leisen Tönen tut. Mitsuko Uchida, eine der großen Pianistinnen unserer Zeit und als Beethoven-Interpretin weltweit verehrt, musiziert erstmals gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsorchester.

Spannend wird auch die selten gespielte 3. Sinfonie von Beethoven, die leise endet: In ihr verband er eine große emotionale Bandbreite – dramatische Konflikte wie im ersten Satz und verinnerlichte Sehnsucht wie im Allegretto – mit fast zyklischer Geschlossenheit. Clara Schumann schrieb voller Begeisterung über die Komposition, und Antonín Dvořák rühmte darin die Melodien und die Liebe, die aus dem Werk spreche.

Am Ende des Spektrums erwartet die Besucher:innen Gustav Mahlers Symphonie Nr. 9, gewidmet Beethovens 150. Geburtstag – „das erste Werk der Neuen Musik“ (Alban Berg). Weder Beethoven noch Schubert oder Bruckner hatten es geschafft, über die Zahl 9 hinauszukommen. Mahler komponierte dennoch nach dem Lied von der Erde seine offizielle „Neunte“ – gezeichnet von alterndem Körper und leidender Seele nach dem größten Schicksalsschlag seines Lebens.

So wundert es nicht, dass er den Abschied aus dem Lied von der Erde zum Leitgedanken seiner neunten Symphonie machte, der besonders in den langen, langsamen Außensätzen präsent ist. Durch die grimmig-lustigen Mittelsätze gewinnt man am Ende dennoch den Eindruck, dass dieser Abschied von einem Aufbruch begleitet wird.

Welche Premieren gibt es in der Ballettsaison 2026/27 beim Bayerischen Staatsballett?

Es erwarten Sie zwei Premieren, die ganz im Zeichen von Mystik und Legenden stehen. Im November 2026 zeigt Choreograph Edward Clug die Neukreation CARPATHIA – Der Mythos der Untoten: die Legende des Grafen Dracula und des Sekretärs Jonathan, die sich in einem Kampf um Liebe und Tod wiederfinden, musikalisch begleitet von einem neuen Werk des Komponisten Milko Lazar.

Welche Highlights bietet die Ballettfestwoche 2027 vom 9. bis 16. April 2027?

Am Freitag, 9. April 2027, eröffnet das Bayerische Staatsballett die Ballettfestwoche 2027 mit der zweiten Premiere der Spielzeit: Orpheus und Eurydike von Christoph W. Gluck, Tanzoper von Pina Bausch. Das Werk erzählt die Legende des Sängers Orpheus, der seine verstorbene Gattin Eurydike aus der Unterwelt zu retten versucht, ihrer Todessehnsucht am Ende jedoch nicht gewachsen ist.

Bemerkenswert: Das Bayerische Staatsballett ist erst die zweite Compagnie weltweit, der die Pina Bausch Foundation die Einstudierung dieses Stücks anvertraut hat. An acht Abenden zeigt die Compagnie das Werk, in dem Tänzer:innen und Sänger:innen gleichberechtigt in die Handlung eingebunden sind. Gefördert von Alexander und Julie Schemann.

Was sind GLANZLICHTER – die Ballettgala des Bayerischen Staatsballetts?

Zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele 2027 lädt das Bayerische Staatsballett zur Ballettgala Glanzlichter ein. Von Dienstag, 22. Juni, bis Donnerstag, 24. Juni 2027, zeigt das Ensemble im Prinzregententheater an drei Abenden eine Auswahl kürzerer Werke aus Klassik, Neoklassik und Moderne, ergänzt durch internationale Gäste.

Welche besonderen Momente und Performances können in der Spielzeit erwartet werden?

Im Januar 2027 zeigt Laurent Hilaire erstmals seine eigene, leicht adaptierte Version von Giselle in München, aufbauend auf der Choreographie von Jean Coralli und Jules Perrot sowie deren Weiterentwicklung durch Marius Petipa. Bühnenbild und Kostüme der seit 1974 im Repertoire befindlichen Inszenierung von Peter Wright bleiben erhalten. Im Mai 2027 kehrt Christopher Wheeldons Cinderella nach drei Jahren zurück auf die Bühne des Nationaltheaters.

Neben den Wiederaufnahmen, Premieren und der Ballettgala lädt das Repertoire zu weiteren Höhepunkten ein: Die Kameliendame, Der Nussknacker und Illusionen – wie Schwanensee von John Neumeier stehen erneut auf dem Spielplan, ebenso wie die modernen Dreiteiler Waves and Circles und Common Ground.

Gibt es Programm für Kinder? JA und sogar eine Uraufführung: Kind&Co – Das Vier-Farben-Land

Im Januar 2027 feiert ein neues Tanztheaterstück für Kinder Premiere. Auf Basis des gleichnamigen Kinderbuches von Gina Ruck-Pauquèt erzählt das Choreographen-Duo Borna Babić und Eliana Stragapede von Vielfalt, Zugehörigkeit und Individualität. In dem partizipativ angelegten Stück lernen die Kinder, in vielen verschiedenen Farben zu denken und eigene Perspektiven zu entwickeln. Ab Samstag, 9. Januar 2027, im Nationaltheater, Große Probebühne.

Die Highlight Termine im Überblick:

WerkTerminOrtCARPATHIA – Der Mythos der Untoten (Uraufführung)
Mi, 25.11.2026, 19.30 Uhr Nationaltheater

Orpheus und Eurydike (Premiere Ballettfestwoche)
Fr, 09.04.–Fr, 16.04.2027, 19.30 UhrNationaltheater

Glanzlichter – Ballettgala
ab Di, 22.06.2027Prinzregententheater

Das Vier-Farben-Land (Uraufführung)
ab Sa, 09.01.2027Nationaltheater, Große Probebühne

weitere Informationen:

Bayerische Staatsoper
Regiebetrieb des Freistaats Bayern
Max-Joseph-Platz 2
80539 München
Tel: +49 89 21 85 01
Webseite: staatsoper.de
Staatsoper TV: staatsoper.tv/de

🏢 Nationaltheater

📍 Adresse: Max-Joseph-Platz 2

📮 PLZ: 80539

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📞 Tel: +49 89 21 85 19 20

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