Franz von Lenbach war der Malerfürst des Kaiserreichs. Bismarck hat er gemalt, Wagner, Gladstone, die Münchner Gesellschaft. Was im Kurparkschlösschen Herrsching hängt, ist ein anderer Lenbach: der Vater, der Beobachter, der Experimentierer. Die Ausstellung „Entdeckungen — Unbekannte Werke von Franz von Lenbach“ des Kulturvereins Herrsching läuft vom 18. Oktober bis 8. November 2026.
Was ist in Herrsching zu sehen?
Über 40 Originale auf drei Etagen — Porträts, Skizzen, malerische Studien und Familienbilder. Darunter ein Selbstbildnis mit Blick über den Brillenrand aus den 1890er Jahren, Mutter mit Kind aus derselben Zeit und Gabriele mit Holzpferdchen von 1901. Alle Werke sind Leihgaben aus Privatbesitz. Sie gehören Reinhold Neven Du Mont, dem letzten lebenden Enkel des Künstlers.
Warum waren diese Bilder bisher nicht zu sehen?
Weil sie nie den Besitzer gewechselt haben. Was Lenbach für sich und seine Familie malte, blieb in der Familie – über vier Generationen und zwei Weltkriege hinweg. Museen zeigen die repräsentativen Porträts, weil sie in Museen hängen. Die Skizzen vom Küchentisch hängen nirgends. Genau das macht den Unterschied: Hier sieht man nicht, wie Lenbach gesehen werden wollte, sondern wie er gearbeitet hat.
Wer war Franz von Lenbach?
Geboren 1836 in Schrobenhausen als Sohn eines Maurermeisters, gestorben 1904 in München. Dazwischen liegt ein Aufstieg, den es so kaum ein zweites Mal gibt: vom Handwerkersohn zum gefragtesten Porträtisten des Deutschen Reiches, geadelt, mit einer Villa, die heute als städtische Galerie das Lenbachhaus ist. Über achtzig Mal hat er Bismarck gemalt. Dass daneben Hunderte von Skizzen, Studien und Familienbildern entstanden, weiß kaum jemand.
Was haben Lenbachs Porträts mit Selfies zu tun?
Mehr, als man denkt – und das ist der Gedanke, den die Kuratorin in den Mittelpunkt stellt. Lenbach war technologieoffen. Er arbeitete mit Fotografie, lange bevor das in der Malerei anerkannt war, und er inszenierte seine Modelle: Licht, Haltung, Blick, Hintergrund. Seine Porträts sind keine Abbildungen, sie sind Entwürfe eines Selbstbildes. Wer heute vor dem Spiegel die Kamera dreht, tut im Grunde dasselbe. Im Zeitalter von Smartphone und Selfie wirken diese Bilder deshalb überraschend gegenwärtig: Sie erzählen von Inszenierung und Persönlichkeit und davon, wie Menschen sich im Bild zeigen wollen.
Warum findet die Ausstellung gerade 2026 statt?
Weil in diesem Jahr drei Anlässe zusammentreffen:
- 190. Geburtstag von Franz von Lenbach
- 1250 Jahre Herrsching
776 wurde der Ort als Horscaningun erstmals urkundlich erwähnt - 20 Jahre Kulturverein Herrsching e.V.
Dass ein Verein zu seinem Zwanzigsten einen Bestand zeigen kann, den kein Museum im Depot hat, ist bemerkenswert.
Wann liest der Enkel?
Am Samstag, 24. Oktober 2026, um 17 Uhr. Reinhold Neven Du Mont liest aus seiner Erzählung „Es lebe die Kunst“. Das ist der Termin, den man sich merken sollte. Ein Enkel, der über seinen Großvater liest, und dessen Bilder hängen im selben Raum – das gibt es kein zweites Mal.
Welche Führungen gibt es?
- Öffentliche Führungen
Sonntag, 25. Oktober, 1. November und 8. November, jeweils 11 Uhr - Art After Work
Mittwoch, 21. Oktober, 28. Oktober und 4. November, jeweils 18 Uhr - Gruppenführungen
für bis zu 20 Personen nach Vereinbarung
Um Anmeldung wird gebeten unter ausstellung@kulturverein-herrsching.de. Durch die Ausstellung führt Catharina Geiselhart M.A., Kunsthistorikerin und Kuratorin. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Was kostet der Eintritt?
- Erwachsene 9 Euro
- Studierende und Menschen mit Einschränkungen 6 Euro
- Familienticket, zwei Erwachsene mit eigenen Kindern 15 Euro
- Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
Geöffnet ist Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
Wie kommt man hin?
Mit der S 8 bis Herrsching am Ammersee, von dort rund zehn Minuten zu Fuß. Das Kurparkschlösschen liegt in der Scheuermannstraße 3, der Zugang führt über die Promenade. Eine direkte Zufahrt und eigene Parkplätze gibt es nicht, Parkmöglichkeiten nur in der Umgebung. Wer mit dem Auto kommt, sollte Zeit einplanen.
Das Kurparkschlösschen ist nicht barrierefrei.
Was ist das Kurparkschlösschen?
Ein Bau von 1888 im Kurpark direkt am Ammersee, mit Türmchen, Fachwerk und Holzbalkonen — eines der meistfotografierten Gebäude am See. Heute wird es für Ausstellungen, Konzerte und Trauungen genutzt. Für einen Besuch bedeutet das: Der Weg führt durch den Kurpark und am Ufer entlang. Im Oktober und November ist das ein Argument für sich.
Häufige Fragen zur Lenbach-Ausstellung in Herrsching
Wann ist die Lenbach-Ausstellung in Herrsching geöffnet?
Vom 18. Oktober bis 8. November 2026, montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.
Was kostet der Eintritt?
Erwachsene zahlen 9 Euro, Studierende und Menschen mit Einschränkungen 6 Euro. Das Familienticket für zwei Erwachsene mit eigenen Kindern kostet 15 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.
Wo ist das Kurparkschlösschen und wie kommt man hin?
Scheuermannstraße 3 in 82211 Herrsching am Ammersee. Mit der S 8 bis Herrsching, von dort rund zehn Minuten zu Fuß über die Promenade. Eine direkte Zufahrt und eigene Parkplätze gibt es nicht.
Ist das Kurparkschlösschen barrierefrei?
Nein. Der Veranstalter weist ausdrücklich darauf hin, dass das Gebäude nicht barrierefrei ist.
Wer war Franz von Lenbach?
Ein Maler, 1836 in Schrobenhausen geboren und 1904 in München gestorben. Er war der gefragteste Porträtist des Deutschen Reiches und malte unter anderem Bismarck über achtzig Mal. Seine Münchner Villa ist heute das Lenbachhaus.
Was ist an dieser Ausstellung besonders?
Die über 40 Werke stammen aus dem Besitz des letzten lebenden Enkels und wurden bislang nicht öffentlich gezeigt. Zu sehen sind vor allem Skizzen, Studien und Familienbilder — also Arbeiten, die Lenbach nicht für Auftraggeber gemalt hat.
Gibt es Führungen?
Ja. Öffentliche Führungen am 25. Oktober, 1. und 8. November jeweils um 11 Uhr, dazu „Art After Work“ am 21. und 28. Oktober sowie am 4. November jeweils um 18 Uhr. Gruppenführungen für bis zu 20 Personen nach Vereinbarung. Anmeldung unter ausstellung@kulturverein-herrsching.de.


