Kurparkschlößchen Herrsching

Ein Maler baute sich 1888 ein Sommerhaus am Ammersee und feierte dort Feste, bis er starb. Heute heiratet man darin — und der Garten gehört allen.

Das Kurparkschlösschen von 1888 im Kurpark Herrsching am Ammersee, davor der Schriftzug zum Ortsjubiläum

Das Kurparkschlösschen steht im Kurpark von Herrsching, wenige Schritte vom Ufer des Ammersees. Turm, Zierfachwerk und rote Balkone machen es zu einem der meistfotografierten Gebäude am See. Die Gemeinde nennt es ihr Wahrzeichen. Sein eigentlicher Name ist ein anderer: Villa Scheuermann.

Wer hat das Kurparkschlösschen gebaut?

Der Münchner Landschaftsmaler Ludwig Scheuermann. 1888 kaufte er ein großes Seegrundstück auf dem Schwemmkegel des Kienbachs und ließ sich dort eine Sommerresidenz errichten. Die Pläne stammen vom Architekten Alfred Heubach. Gebaut hat es Benedikt Rehm, Zimmerermeister und zu dieser Zeit Bürgermeister von Herrsching — nicht als Auftraggeber, sondern als ausführender Handwerker. Um das Haus legte Scheuermann einen privaten Park an, mit Gewächshaus, Obstgarten und Bootshaus.

Was war das für ein Haus?

Ein Ort für den Sommer und für Gesellschaft. Scheuermann feierte dort Feste, die in Herrsching Eindruck machten und ihm, dem Zugezogenen, rasch einen Platz im Ort verschafften. Mit seinem Tod 1911 hörte das auf. Haus und Park wurden vermietet, die Anlage verfiel.

Wie kam die Gemeinde an das Anwesen?

Sie kaufte es 1934 von Scheuermanns Sohn Erich — nach eigener Darstellung „trotz erheblicher finanzieller Schwierigkeiten“. Es war die Zeit nach der Weltwirtschaftskrise, und eine kleine Gemeinde erwarb ein ganzes Seegrundstück. Dafür öffnete sie den Park als Kurpark für die Allgemeinheit. Seither gehört der Blick auf den See allen. Erich Scheuermann bekam im Gegenzug das Recht, sich auf dem Gelände ein eigenes Haus zu bauen: das Goethe-Haus, nach Weimarer Vorbild, entworfen vom Architekten Roderich Fick. Es steht bis heute im Park.

Was geschah im und nach dem Krieg?

Im Zweiten Weltkrieg diente die Villa als Notunterkunft, danach eine Zeit lang als Schule. In den 1980er Jahren wurde sie generalsaniert; die Volkshochschule zog ein, und von da an wurde hier auch geheiratet. Anfang der 1960er Jahre hatte die Gemeinde den Kurpark bereits gärtnerisch umgestaltet und Wege und Rabatten angelegt.

Wie sieht das Gebäude aus?

Das dreistöckige Haupthaus zeigt zum See hin eine Eingangsloggia mit Freitreppe und Terrasse. Das Obergeschoss besteht aus Zierfachwerk und Bundwerk, aus dem Walmdach ragen Gauben und Zierkamine. An der Südwestecke steht der runde Turm mit Spitzdach, der das Haus von weitem kenntlich macht. Südlich davon liegt die Remise mit Halbwalmdach, mit dem Haupthaus nur durch einen Torbogen mit Uhr verbunden. Villa, Remise und Kurpark bilden zusammen ein denkmalgeschütztes Ensemble.

Wofür wird es heute genutzt?

  • Trauzimmer der Gemeinde Herrsching
  • Konzerte, Ausstellungen und Lesungen, vermietet durch den Kulturverein
  • private Feste nach Vereinbarung

Derzeit zeigt der Kulturverein hier die Ausstellung „Entdeckungen — Unbekannte Werke von Franz von Lenbach“, bis zum 8. November 2026. Das schließt einen Kreis, den selten jemand bemerkt: Das Haus wurde für einen Münchner Maler gebaut, der 1911 starb. Jetzt hängen darin die Bilder eines anderen Münchner Malers, der 1904 starb. Zwei Zeitgenossen, 135 Jahre später unter einem Dach.

Ist das Kurparkschlösschen barrierefrei?

Nein. Über einen barrierefreien Umbau wurde im Gemeinderat mehrfach beraten; die Vorhaben scheiterten. Das Landesamt für Denkmalpflege lehnte einen Ausbau wegen des Verlusts an historischer Bausubstanz ab, eine Variante mit Außenaufzug war auf rund eine Million Euro geschätzt worden. Stattdessen entstand 2013 ein Sicherheitstreppenhaus, nachdem verschärfte Brandschutzauflagen die öffentliche Nutzung zeitweise eingeschränkt hatten. Wer schlecht zu Fuß ist, sollte das vor einem Besuch wissen: Zum Eingang führen Außenstufen, im Inneren Treppen.

Was gibt es im Kurpark zu sehen?

Der Park wurde bis Juni 2012 saniert, geplant von der Herrschinger Landschaftsarchitektin Monika Treiber. Dabei wurden auch die alten Blickbeziehungen wiederhergestellt, die zugewachsen waren — vom Park aus sieht man über den See zu den Klosteranlagen in Andechs und Dießen. Zu entdecken sind unter anderem:

  • die Seetreppe an der sanierten Ufermauer, inzwischen der beliebteste Sitzplatz am Wasser
  • der Rosenpavillon
  • die Skulpturen Liegende Weide und Kleine Seejungfrau
  • das überdimensionale Schachbrett
  • die Blumeninsel und die Brücke zum Seewinkel
  • das restaurierte schmiedeeiserne Tor im Süden des Parks

Der alte Baumbestand wurde bei der Sanierung weitgehend erhalten; nur wenige kranke Bäume mussten weichen. Im Sommer findet hier das Herrschinger Schlossgartenfest statt.

Wie kommt man hin?

Scheuermannstraße 3, 82211 Herrsching am Ammersee. Mit der S 8 bis Herrsching, von dort rund zehn Minuten zu Fuß. Der Zugang führt über die Promenade. Eine direkte Zufahrt und eigene Parkplätze gibt es nicht, Parkmöglichkeiten nur in der Umgebung.

Häufige Fragen zum Kurparkschlösschen Herrsching

Wo ist das Kurparkschlösschen Herrsching?
Scheuermannstraße 3 in 82211 Herrsching am Ammersee, im Kurpark nahe dem Seeufer. Mit der S 8 bis Herrsching, von dort rund zehn Minuten zu Fuß über die Promenade.

Kann man im Kurparkschlösschen heiraten?
Ja. Die Räume werden als Trauzimmer der Gemeinde Herrsching genutzt. Für Feste, Konzerte und Ausstellungen vermietet der Kulturverein Herrsching das Haus.

Wann wurde das Kurparkschlösschen gebaut?
1888/89 für den Münchner Landschaftsmaler Ludwig Scheuermann, nach Plänen des Architekten Alfred Heubach. Ausgeführt hat den Bau der Zimmerermeister Benedikt Rehm, damals Bürgermeister von Herrsching.

Warum heißt es Villa Scheuermann?
Nach seinem Bauherrn Ludwig Scheuermann, der es als Sommerresidenz nutzte. Nach ihm ist auch die Straße benannt, in der es steht.

Ist das Kurparkschlösschen barrierefrei?
Nein. Zum Eingang führen Außenstufen, im Inneren Treppen. Ein barrierefreier Umbau scheiterte mehrfach, unter anderem an den Auflagen des Denkmalschutzes.

Ist der Kurpark öffentlich zugänglich?
Ja, der Kurpark ist seit 1934 für die Allgemeinheit geöffnet und frei zugänglich.

Was kann man im Kurpark sehen?
Die Seetreppe am Ufer, den Rosenpavillon, die Skulpturen Liegende Weide und Kleine Seejungfrau, ein überdimensionales Schachbrett, die Blumeninsel und das historische schmiedeeiserne Tor. Vom Park aus reicht der Blick über den Ammersee bis Andechs und Dießen.

📖 Wandern für die Seele

Entdecke das Fünfseenland mit unserem Wanderführer

Jetzt bei Amazon ansehen →

🏢 Kurparkschlößchen Herrsching

📍 Adresse: Scheuermannstraße 3

📮 PLZ: 82211

📍 Ort: Herrsching

🗺️ Route in Google Maps

💍 Hochzeitsdetails

Das Kurparkschlößchen ist das Standesamt der Gemeinde Herrsching am Ammersee. Trauungen finden jeweils an einem Freitag und einem Samstag im Monat statt. 20 Personen können dabei sein.

Lage: Am Wasser

✅ Freie Trauung möglich

Du kennst eine besondere Adresse in der Nähe? Wir freuen uns über Empfehlungen.