Strahlend blauer Himmel, mehr als achttausend Mitwirkende und sieben Kilometer Tracht, Blasmusik und Brauchtum: Am ersten Wiesn-Sonntag zog der Trachten- und Schützenzug durch München – angeführt zum ersten Mal von Sina Hochreiter als Münchner Kindl.
Um zehn Uhr setzte sich der Zug am Max-II-Denkmal in Bewegung, und das Wetter spielte mit wie selten. Schon am Samstag hatte der Einzug der Wirte bei Sonnenschein begonnen, am Sonntag blieb der Himmel über der Innenstadt wolkenlos. Mehrere zehntausend Zuschauer standen an der Strecke von der Maximilianstraße über die Ludwigstraße bis zur Theresienwiese.

Hoch zu Ross sieht man den Zug anders als die Zuschauer: Man blickt über die Köpfe bis zur Feldherrnhalle.
Wie groß war der Trachten- und Schützenzug 2026?
Laut Teilnehmerliste des Festrings zogen 8.267 Mitwirkende mit, gegliedert in 148 Gruppen und 50 Zugnummern. Knapp dreitausend von ihnen waren Musiker, dazu mehr als tausend Sport- und Gebirgsschützen. 849 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus dem Ausland – aus Österreich, den Niederlanden, Polen, Slowenien, Kroatien und der Schweiz.
Neu war die Gliederung: Statt wie bisher in sechzig Zugnummern lief der Zug heuer in fünfzig. Im Vorjahr hatten nicht alle Gruppen in das Zeitfenster der Fernsehübertragung gepasst.

Viele Gruppen kommen aus München selbst – der Zug ist nicht nur ein Treffen der Gäste von auswärts.
Wer führte den Zug an?
An der Spitze ritt zum ersten Mal Sina Hochreiter als Münchner Kindl, im Damensitz auf einem Kaltblut der Spaten-Brauerei. Das Amt hat in ihrer Familie eine besondere Nähe zur Wiesn: Ihre Eltern betreiben Hochreiters Haxnbraterei. Ihr Gewand geht auf eine Grafik von Eduard Ege aus dem Jahr 1957 zurück.
Hinter dem Münchner Kindl folgten die Festkutschen der Stadtspitze. Auch Ministerpräsident Markus Söder fuhr mit seiner Frau in einer eigenen, mit weißen und blauen Blumen geschmückten Kutsche mit.

Auch der Ministerpräsident fährt im Zug mit – als Ehrengast in seiner eigenen Festkutsche.
Oberbürgermeister Dominik Krause war vom Start bis zum Odeonsplatz dabei. Dort beendete er die Fahrt wegen Kreislaufproblemen, wie sein Sprecher bestätigte, und sagte auch seinen Termin am Nachmittag ab. Am Montag gab sein Sprecher Entwarnung: Krause war wieder im Rathaus und mittags bei „Wiesn mit Herz“ im Schottenhamel.

Mitten im Sprung — für die Moriskentänzer ist die Straße die Bühne.
Welche Gruppen fielen besonders auf?
Die Münchner Moriskentänzer sorgten gleich zu Beginn für Staunen. Die Tänzer in goldenen und roten Narrenkostümen schlugen Rad, sprangen und warfen sich mitten auf der Straße in akrobatische Figuren. Ihr Tanz geht auf Figuren zurück, die Erasmus Grasser für den Tanzsaal des Alten Rathauses schnitzte.

Rote Röcke, grüne Kappen: Die Schäffler erkennt man schon von Weitem.
Heuer war ein Schäfflerjahr. Der Fachverein der Schäffler Münchens zieht jedes Jahr mit, doch öffentlich getanzt wird nur alle sieben Jahre – 2026 ist so ein Jahr. Die roten Röcke und grünen Kappen gehörten entsprechend zu den Bildern des Tages.

Rote Kopftücher, bestickte Schürzen und ein Winken für jeden am Straßenrand.
Farbenprächtig wurde es bei den Gästen von auswärts. Die Frauen der Alt-Passauer Goldhaubengruppe trugen ihre goldbestickten Hauben, der Oberfränkische Volkstrachtenverein Effeltrich brachte eine der farbigsten Trachten des ganzen Zuges nach München. Aus Luzern reiste die Fahnenschwinger-Vereinigung an und zeigte ihre Kunst mitten auf der Ludwigstraße.

Rot-weiße Fahnen aus der Schweiz, mittendrin ein geschmückter Wagen.
Mehrere Gruppen feierten Jubiläum. Die Musikkapelle Fischbachau besteht seit 175 Jahren, der Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte seit hundert. Das Tiroler Schützenviertel Unterland und die Riesengebirgs-Trachtengruppe München blicken jeweils auf sechzig Jahre zurück.

Die Uniformen gehen auf die bayerische Landwehr des 19. Jahrhunderts zurück.
Wo sah man den Zug am besten?
In der Ludwigstraße. Der Zug wendet auf Höhe der Galeriestraße und kommt dort zweimal vorbei. Doch auch entlang der Straße sieht man den Zug sehr schön. Eine weitere Ehrentribüne ist an der Sonnenstraße, wo es dann durch eine enge Straße Richtung Esperantoplatz geht. Hier lebt der Zug von der Nähe zum Publikum. Ein weiteres Highlight ist dann der Einzug auf das Oktoberfest – direkt auf die Bavaria zu. Danach verlieren sich die Gruppen in den verschiedenen Zelten und auf der Oidn Wiesn. Schön an diesem Sonntag ist immer, dass das gesamte Festgelände mit echten Trachten durchzogen ist.
Wer sorgte für die Sicherheit?
Entlang der sieben Kilometer richtete das Münchner Rote Kreuz sechzehn Erste-Hilfe-Stationen ein. Rund 150 Einsatzkräfte vom Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst und der Johanniter-Unfall-Hilfe betreuten ehrenamtlich Mitwirkende und Zuschauer.

Die Fanfarenzüge aus Baden-Württemberg bringen eine eigene Klangfarbe in den Zug.
Aus Sicht der Festleitung verlief das erste Wiesn-Wochenende ruhig und friedlich. Das Festgelände war gut besucht, aber nicht überfüllt. Die Polizei meldete weniger Straftaten, der Sanitätsdienst weniger Patienten als im Vorjahr.

Pferde laufen im ganzen Zug mit – geritten, vor Kutschen gespannt oder vor den Brauereiwagen.
Was am Straßenrand am meisten gebraucht wird, erzählt eine, die zum ersten Mal dabei war – siehe Sonderbericht >>

Das Geschirr trägt das Wappen der Brauerei. Jedes Gespann fährt in seinen eigenen Farben.
Wo kann man den Zug noch einmal sehen?
Der Bayerische Rundfunk hat den Zug wie jedes Jahr live übertragen. Die vollständige Aufzeichnung steht in der BR-Mediathek zum Nachschauen bereit.

Aus Weilheim ziehen Stadtkapelle und Trachtenverein gemeinsam mit.
Häufig gestellte Fragen zum Trachten- und Schützenzug 2026
Wie viele Teilnehmer hatte der Trachten- und Schützenzug 2026?
Laut Teilnehmerliste des Festrings 8.267 Mitwirkende in 148 Gruppen und 50 Zugnummern, darunter 849 aus dem Ausland.
Wer führte den Trachten- und Schützenzug 2026 an?
Das neue Münchner Kindl Sina Hochreiter. Sie ritt in diesem Jahr zum ersten Mal an der Spitze des Zuges.
Wie war das Wetter beim Trachten- und Schützenzug 2026?
Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein – beste Bedingungen für den Festzug.
Warum hatte der Zug 2026 nur 50 Zugnummern?
Im Vorjahr passten nicht alle Gruppen in das Zeitfenster der Fernsehübertragung. Deshalb wurde der Zug von sechzig auf fünfzig Zugnummern verkürzt.
Wo steht man beim Trachten- und Schützenzug am besten?
In der Ludwigstraße. Der Zug wendet auf Höhe der Galeriestraße und kommt dort zweimal vorbei.
Tanzen die Schäffler beim Trachten- und Schützenzug?
Der Fachverein der Schäffler Münchens zieht jedes Jahr mit. Öffentlich getanzt wird nur alle sieben Jahre – 2026 ist ein solches Schäfflerjahr.
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Pferde laufen im ganzen Zug mit – geritten, vor Kutschen gespannt oder vor den Brauereiwagen.
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Jede Brauerei fährt in ihren eigenen Farben. Blau und Weiß erkennt man schon von Weitem.
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Viele Gruppen kommen aus München selbst – der Zug ist nicht nur ein Treffen der Gäste von auswärts.
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Die goldbestickten Hauben sind aufwendige Handarbeit und das Erkennungszeichen der Gruppe.
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Den Rhythmus geben die Spielmannszüge vor. Die Kapellen dahinter richten sich danach.
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Wer sieben Kilometer in Tracht läuft, hat sich das Lachen am Odeonsplatz verdient.
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Rund dreitausend der Mitwirkenden sind Musiker. Die Ludwigstraße klingt danach stundenlang.
Fotos und Text: Copyright Birgit M. Widmann


