Wiesn-Ehrenamt: Pflaster für sieben Kilometer

von Birgit Widmann | 24, Sep., 2026 | oktoberfest

Rund zweihundert Ehrenamtliche des Münchner Roten Kreuzes sichern die beiden großen Festzüge zum Oktoberfest ab. Irmgard war heuer zum ersten Mal dabei – und hat schnell gelernt, was am Straßenrand am meisten gebraucht wird.

Wer beim Einzug der Wirte oder beim Trachten- und Schützenzug an der Strecke steht, sieht Kutschen, Kapellen und Trachten. Die Menschen in Rot und Weiß am Rand sieht man meist erst, wenn man sie braucht. Dabei sind es an diesem Wochenende mehr als bei jedem anderen Termin des Jahres.

 

Die ehrenamtliche Rotkreuz-Sanitäterin Irmgard sitzt lachend auf Absperrsockeln am Straßenrand, über ihr rot-weißes Absperrband, München

Wer an der Strecke Dienst hat, sitzt, wo Platz ist – hier auf den Sockeln der Absperrung.

Wer sorgt bei den Festzügen für die Erste Hilfe?

Beim Einzug der Wirte am Samstag waren vierzig ehrenamtliche Sanitäterinnen und Sanitäter des Münchner Roten Kreuzes im Einsatz, verteilt auf fünf Erste-Hilfe-Stationen entlang der Strecke. Dazu kamen die Motorradstreife des BRK, die als Erstes vor Ort sein und Rettungswagen lotsen kann, und ein mobiler Arzt.

Beim Trachten- und Schützenzug am Sonntag wuchs der Einsatz auf rund 150 Ehrenamtliche an, unterstützt vom Malteser Hilfsdienst und der Johanniter-Unfall-Hilfe. Auf sieben Kilometern standen sechzehn Erste-Hilfe-Stationen, jede mit mindestens sieben Sanitäterinnen und Sanitätern besetzt. Koordiniert wurde beides von einer zentralen Einsatzleitung.

Eine Sanitäterin und ein Sanitäter der Johanniter in Dienstkleidung, er mit Funkgerät, sitzen lächelnd auf einer Bank vor einer weißen Hauswand, München

Beim Trachtenzug unterstützen die Johanniter das Rote Kreuz bei der Betreuung von Mitwirkenden und Zuschauern.

Wer sind die Ehrenamtlichen?

Ich sprach mit Irmgard, die im Berufsleben Krankenschwester war und Patienten jeder Art betreut hat.

„Als Krankenschwester war ich oft Gesprächspartnerin auf der Fahrt zu großen Operationen. Da haben die Menschen eine echte Stütze gebraucht – und sie haben sich gefreut, dass jemand da ist.“

Man trifft Irmgard und ihre Kolleginnen und Kollegen nicht nur auf der Wiesn: Die Sanitäter des BRK sind auch in der Bayerischen Staatsoper und im Prinzregententheater im Einsatz.

„Es ist immer wieder schön, wenn sich die Menschen freuen.“

Beim Oktoberfest war sie heuer zum ersten Mal dabei.

Was wird am Straßenrand am meisten gebraucht?

Pflaster. Das lernt man schnell, wenn man zum ersten Mal an der Strecke steht. Sieben Kilometer sind lang, und nicht jeder Haferlschuh sitzt nach dem dritten Kilometer noch so, wie er am Morgen gesessen hat.

„Ich kann noch nicht so viel erzählen, ich bin ja das erste Mal hier. Aber eines weiß ich: Pflaster sind sehr gefragt.“

Warum arbeitet man ohne Lohn?

Diese Frage hat sich Irmgard selbst gestellt – und eine Antwort gefunden, die sie nicht erwartet hatte.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich ohne Lohn so zufrieden arbeiten kann. Aber das Ehrenamt macht glücklich. Die Menschen, denen wir helfen können, geben es zurück.“

Nach ihrem ersten Einsatz beim Einzug der Wirte saßen wir zu viert zusammen. Vier Frauen – ein Teil kannte sich aus dem Berufsleben, die anderen begegneten sich zum ersten Mal. Ein paar sehr lustige Stunden. Manchmal der schönste Lohn für die Arbeit.

 

Ein junger Mann und eine junge Frau der Johanniter knien vor einem Rettungswagen und kontrollieren zwei geöffnete Notfallrucksäcke, München

Vor dem Einsatz wird jeder Rucksack kontrolliert – Verbandsmaterial, Ampullen, alles an seinem Platz.

Wer hilft noch mit?

Das Rote Kreuz ist nicht allein an der Strecke. Beim Trachten- und Schützenzug unterstützen der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter-Unfall-Hilfe die sanitätsdienstliche Betreuung. Bevor der Zug kommt, werden die Notfallrucksäcke geöffnet und Fach für Fach kontrolliert – Verbandsmaterial, Ampullen, Instrumente. Wenn es darauf ankommt, muss jeder Griff sitzen.

Ein historischer VW-Bus des Roten Kreuzes mit Blaulicht und rotem Kreuz fährt beim Trachten- und Schützenzug über die Ludwigstraße, im Fahrzeug Männer in grauen Uniformen und Frauen in historischer Schwesterntracht, München

Seit 150 Jahren gibt es das Rote Kreuz in München. Zum Jubiläum zieht eine historische Gruppe im Festzug mit.

Warum fährt ein historischer Krankenwagen im Festzug mit?

Wer früh genug an der Strecke steht, sieht die Helfer sogar zweimal. Am Ende des Werbeblocks fahren das Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk mit, dann folgt die Polizei zur Streckensicherung – und mit der berittenen Polizei beginnt der offizielle Festzug.

Das Münchner Rote Kreuz ist dabei nicht nur im Dienst, sondern auch im Zug selbst, mit einer historischen Gruppe. Der Anlass ist ein Jubiläum: Vor 150 Jahren wurde das Rote Kreuz in München gegründet.

Die Männer tragen graue Stoffjacken und graue Hosen, dazu ein blaues Hemd mit Abzeichen, eine historische Schirmmütze und die lederne Gürteltasche für die Sanitätsausrüstung. Die Frauen gehen in historischer Schwesterntracht: blau-weiß gestreifte Kleider mit weißer Schürze und Haube, andere in mittelblauen oder braunen Kleidern. So sah Rettungsdienst in München und Bayern im frühen 20. Jahrhundert aus.

 

Drei Einsatzkräfte der Johanniter in roter und grauer Dienstkleidung in einem Innenhof, zwei von ihnen sitzen lachend auf einer Bank, München

Noch ist Zeit für ein Lachen. Wenn der Zug kommt, wird es an der Strecke voll.

Wie kann man selbst mitmachen?

Das Münchner Rote Kreuz sucht laufend Ehrenamtliche, nicht nur für den Sanitätsdienst. Informationen zur ehrenamtlichen Mitarbeit gibt es beim BRK-Kreisverband München unter brk-muenchen.de.

Häufig gestellte Fragen zum Sanitätsdienst auf der Wiesn

Wie viele Sanitäter sind bei den Wiesn-Festzügen im Einsatz?
Beim Einzug der Wirte rund vierzig Ehrenamtliche des Münchner Roten Kreuzes, beim Trachten- und Schützenzug rund 150, unterstützt von Maltesern und Johannitern.

Wie viele Erste-Hilfe-Stationen gibt es beim Trachten- und Schützenzug?
Sechzehn auf sieben Kilometern, jede mit mindestens sieben Sanitäterinnen und Sanitätern besetzt.

Was wird bei den Festzügen am häufigsten gebraucht?
Pflaster gegen Blasen. Sieben Kilometer in Trachtenschuhen gehen an den Füßen nicht spurlos vorbei.

Warum nimmt das Rote Kreuz mit einer historischen Gruppe am Trachtenzug teil?
Weil das Rote Kreuz in München vor 150 Jahren gegründet wurde. Die historischen Uniformen zeigen, wie Rettungsdienst im frühen 20. Jahrhundert aussah.

Sind die Sanitäter bezahlt?
Nein, die Einsatzkräfte bei den Festzügen arbeiten ehrenamtlich.

Wie kann ich beim Roten Kreuz ehrenamtlich mitarbeiten?
Über den BRK-Kreisverband München, der auf seiner Website über die ehrenamtliche Mitarbeit informiert.

Text und Fotos: Copyright Birgit M. Widmann

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