Zum ersten Mal in der Geschichte des Wiesn-Einzugs stoppte der Festzug am Haupteingang für eine Gedenkminute — dort, wo 1980 die Bombe explodierte. Danach zogen Wirte, Brauereien und Schausteller weiter auf die Theresienwiese, und um zwölf Uhr saß der Anstich mit zwei Schlägen und das offizielle Oktoberfest begann.
Der Samstag, mit dem das 191. Oktoberfest begann, hatte zwei Gesichter. Das eine kennt jeder aus dem Fernsehen: blumengeschmückte Kutschen, Prachtgespanne, Musikkapellen auf den Wagen, ein Oberbürgermeister mit Schlegel in der Hand. Das andere dauerte eine Minute und hat es in dieser Form noch nie gegeben.

Rund vierzig Gespanne und Festkutschen ziehen mit. Jede Brauerei hat ihre eigenen Farben.
Warum hielt der Zug am Haupteingang?
Am Haupteingang der Theresienwiese steht das Mahnmal für die Opfer des Oktoberfestattentats. Dort explodierte am 26. September 1980 eine Bombe. Dreizehn Menschen starben, darunter der rechtsextreme Attentäter selbst, mehr als zweihundert wurden verletzt, viele schwer. Es ist bis heute der schwerste rechtsterroristische Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.
Zum ersten Mal hielt der Festzug an diesem Ort an. Oberbürgermeister Dominik Krause ließ seine Kutsche stoppen und trat gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen Mona Fuchs und Verena Dietl an das Denkmal, an dem bereits Kränze lagen. Eine Gedenkminute, dann ging der Zug weiter. Die Neuerung war Krauses eigene Initiative.
Das offizielle Gedenken an die Opfer findet wie jedes Jahr am zweiten Wiesn-Samstag um acht Uhr früh am Denkmal statt — zu einer Uhrzeit, zu der das Festgelände noch leer ist.

Die Hände gehen nach oben, sobald jemand am Straßenrand zurückwinkt. Der Zug lebt vom Austausch mit dem Publikum.
Wie lief der Einzug der Festwirte?
Um 10.35 Uhr setzte sich der Zug an der Sonnenstraße in Bewegung. Rund tausend Mitwirkende ziehen jedes Jahr mit: die Wirtsfamilien der großen Festhallen in offenen Kutschen, ihr Personal auf geschmückten Wagen, die Kapellen der Zelte, die Prachtgespanne der Münchner Brauereien. Dazu die Schausteller und die kleinen Wiesnzelte.

2026 ist ein Schäfflerjahr: Nur alle sieben Jahre tritt die Zunft öffentlich auf.
Der Schmuck ist keine Kleinigkeit. Girlanden aus Tannengrün, Rosen, Dahlien und Sonnenblumen, dazu das Wappen der jeweiligen Brauerei — jeder Wagen wird eigens hergerichtet, und man sieht die Arbeit, die darin steckt.

Wer im Zug mitfährt, winkt zwei Stunden lang. Wer am Rand steht, winkt zurück.
Was tragen die Pferde?
Die Prachtgespanne sind der Teil des Zuges, vor dem auch Leute stehen bleiben, die mit Bier nichts anfangen können. Kaltblüter mit Festgeschirr, Messingbeschlägen, Schellen und farbigem Kopfschmuck, jede Brauerei in ihren Farben.
Auf dem Kutschbock sitzt dabei die Verantwortung. Zwischen Kapellen, Lautsprechern und einer dichten Menschenmenge müssen die Tiere ruhig bleiben, und sie tun es — was viel Können, Vertrauen und Erfahrung voraussetzt und weniger selbstverständlich ist, als es aussieht.

Das Fass auf dem Wagen ist Dekoration, der Durst nicht.
Wie viele Schläge brauchte der Oberbürgermeister?
Zwei. Und das war kein Zufall, sondern eine Ansage.
Sein Vorgänger hatte die Latte bei zwei Schlägen gelegt, und Krause hatte sich im Vorfeld öffentlich darauf festgelegt, es genauso zu schaffen. Er verglich es mit dem Sport: Üben kann man lange — ob es sitzt, zeigt sich erst, wenn ein Millionenpublikum zuschaut.
Punkt zwölf Uhr klappte es. Zwei Schläge, die traditionellen Worte, zwölf Böllerschüsse, danach floss das Bier auch in den übrigen Zelten. Die erste Maß ging traditionsgemäß an den bayerischen Ministerpräsidenten.

Im Weinzelt trinkt man aus dem Glas. Auch das gehört zum Einzug.
Wie war die Stimmung?

Das Festgeschirr wird eigens für den Zug hergerichtet: Messingbeschläge, Schellen und ein Fliegennetz gegen die Plage im September.
Was ist sonst am ersten Tag passiert?

Auf dem Bock sitzt die Verantwortung: Zwischen Kapellen, Menschenmenge und Lautsprechern müssen die Pferde ruhig bleiben.
Wie geht es weiter?

Zwischen Brauereigespannen und Festwagen laufen die historischen Gruppen mit – und haben sichtlich Freude daran.

