Spaziergang durch den Kurpark Herrsching

Ein Maler legte sich hier 1888 seinen Privatgarten an. Seit 1934 gehört er allen — mit Seetreppe, Rosenpavillon und dem Blick, der abends über den See nach Westen geht.

Rosenpavillon im Kurpark von Herrsching am Ammersee, kahle Bäume im Winter,.

Der Kurpark von Herrsching liegt zwischen Ortsmitte und Ammersee, zwischen altem Baumbestand und offenem Wasser. Die Gemeinde nennt ihn zusammen mit dem Kurparkschlösschen ihr Wahrzeichen. Er ist frei zugänglich, zu jeder Jahreszeit, und zehn Minuten vom Bahnhof entfernt.

Wie wurde aus einem Privatgarten ein öffentlicher Park?

Durch einen Kauf, den sich die Gemeinde eigentlich nicht leisten konnte. Angelegt hatte das Gelände der Münchner Landschaftsmaler Ludwig Scheuermann, der 1888 ein großes Seegrundstück auf dem Schwemmkegel des Kienbachs erwarb. Zu seiner Sommerresidenz gehörten ein Gewächshaus, ein Obstgarten und ein Bootshaus. Nach seinem Tod 1911 wurden Haus und Park vermietet, die Anlage verfiel. 1934 kaufte die Gemeinde Herrsching das gesamte Grundstück von Scheuermanns Sohn Erich — nach eigener Darstellung „trotz erheblicher finanzieller Schwierigkeiten“. Mitten in den Jahren nach der Weltwirtschaftskrise erwarb ein Dorf ein Seegrundstück und öffnete es als Kurpark für alle. Seither ist der Blick auf den Ammersee in Herrsching kein Privileg.

Was ist das Goethe-Haus im Park?

Teil des Handels von 1934. Erich Scheuermann verkaufte das Gelände und erhielt im Gegenzug das Recht, sich darauf ein eigenes Haus zu errichten — nach dem Vorbild des Weimarer Goethehauses. Entworfen hat es Roderich Fick, ein Architekt mit einer ungewöhnlichen Biografie: 1912 nahm er an der Schweizerischen Grönlandexpedition teil und vermaß das Höhenprofil des Inlandeises; in der NS-Zeit baute er im Auftrag Hitlers am Obersalzberg und in Linz. Das Haus steht bis heute im Park.

Was gibt es im Kurpark zu entdecken?

  • Die Seetreppe
    2011 beim Sanieren der Ufermauer entstanden und inzwischen der beliebteste Sitzplatz am Wasser
  • Der Rosenpavillon
  • Die Liegende Weide und die Kleine Seejungfrau
  • Das überdimensionale Schachbrett
  • Die Blumeninsel und die Brücke zum Seewinkel
  • Das historische schmiedeeiserne Tor im Süden, restauriert samt Zaunelementen

Dazu das Kurparkschlösschen selbst und das Goethe-Haus.

Was sieht man vom Kurpark über den See?

Nach Westen das gegenüberliegende Ufer, nach Südwesten das Südende des Sees — dort stehen die Türme des Marienmünsters in Dießen, rund sieben Kilometer über das Wasser. Das Kloster Andechs liegt dagegen nicht gegenüber, sondern im Rücken: 2,7 Kilometer südsüdöstlich, oben auf dem Höhenrücken hinter dem Ort. Über den See schaut man also nicht nach Andechs — eher von Andechs aus auf den See. Über die Jahrzehnte waren die Bäume gewachsen und hatten die alten Blickbeziehungen zugestellt. Bei der Sanierung wurden gezielt Sichtachsen wieder freigelegt. Der Blick aufs Wasser ist hier also kein Zufall, er ist geplant.

Wann war die letzte Sanierung?

Die Arbeiten liefen vom Frühjahr 2011 bis Juni 2012. Geplant hat sie die Herrschinger Landschaftsarchitektin Monika Treiber, beschlossen hatte sie der Gemeinderat einstimmig über alle Fraktionen hinweg — bei einem Park, der jahrzehntelang unter wachsendem Nutzungsdruck gestanden hatte. Was dabei entstand:

  • die Seetreppe an der sanierten Ufermauer
  • erneuerte Kieswege, die Hauptwege seitlich mit Granit gefasst
  • elf zusätzliche Bänke vor dem Schlösschen, am Schachbrett und entlang der Wege
  • fünfzehn neue Mastlampen mit sparsamen Leuchtmitteln
  • eine erneuerte Stromversorgung für Veranstaltungen

Ein Detail, das für die Haltung spricht: Über Jahre entstandene Trampelpfade wurden ins Wegesystem aufgenommen, statt sie wegzusperren. Man hat den Leuten zugesehen und daraus gelernt. Die Kosten blieben im Rahmen des Veranschlagten.

Was ist mit den alten Bäumen?

Sie wurden einzeln eingemessen und auf ihre Vitalität geprüft. Entfernt wurden nur wenige — kranke Exemplare und solche, die den wiederhergestellten Sichtachsen im Weg standen. Bei den Bauarbeiten galt die Auflage, den Altbestand nicht zu beschädigen. An den Gehölzrändern wurden standortgerechte Wildstauden gefördert, um das Artenspektrum zu erhöhen, am Bach kamen neue Bäume und Sträucher dazu. Der Park bietet Lebensräume am Bachufer, am Seeufer, auf den Wiesen und unter den alten Bäumen. Das ist keine Grünanlage, das ist ein gewachsener Bestand.

Was findet im Kurpark statt?

Im Sommer das Herrschinger Schlossgartenfest, für das die Gemeinde zusammen mit den Herrschinger Vereinen ein eigenes Nutzungskonzept entwickelt hat — damit das Fest den Park nicht ruiniert, den es feiert. Dazu Konzerte und Ausstellungen im und am Kurparkschlösschen.

Wann lohnt sich der Besuch am meisten?

Herrsching liegt am Ostufer des Ammersees. Die Sonne geht also über dem Wasser unter, von der Seetreppe aus gesehen genau gegenüber. Im Frühjahr blüht der Altbestand, im Sommer ist Schatten unter den alten Bäumen, im Herbst färbt sich der Park, und im Winter liegt er still da — und wenn die Bäume kahl sind, reicht der Blick über das Wasser am weitesten.

Wie kommt man hin?

Mit der S 8 bis Herrsching am Ammersee, von dort rund zehn Minuten zu Fuß. Der Zugang führt über die Promenade. Eine direkte Zufahrt zum Kurparkschlösschen und eigene Parkplätze gibt es nicht; Parkmöglichkeiten nur in der Umgebung. Wer mit dem Auto kommt, sollte Zeit einplanen — mit der Bahn ist man hier eindeutig besser dran.

Häufige Fragen zum Kurpark Herrsching

Ist der Kurpark Herrsching frei zugänglich?
Ja. Die Gemeinde Herrsching kaufte das Gelände 1934 und öffnete es als Kurpark für die Allgemeinheit. Er ist zu jeder Jahreszeit frei zugänglich.

Wo ist der Kurpark Herrsching?
Zwischen Ortsmitte und Ammersee, rund um das Kurparkschlösschen in der Scheuermannstraße 3. Mit der S 8 bis Herrsching, von dort etwa zehn Minuten zu Fuß über die Promenade.

Was kann man im Kurpark sehen?
Die Seetreppe am Ufer, den Rosenpavillon, die Skulpturen Liegende Weide und Kleine Seejungfrau, ein überdimensionales Schachbrett, die Blumeninsel, das historische schmiedeeiserne Tor und das Goethe-Haus. Dazu das Kurparkschlösschen selbst.

Was sieht man vom Kurpark über den See?
Nach Westen das gegenüberliegende Ufer, nach Südwesten das Südende des Sees mit den Türmen des Marienmünsters in Dießen, rund sieben Kilometer über das Wasser. Das Kloster Andechs liegt nicht gegenüber, sondern 2,7 Kilometer südsüdöstlich im Rücken, auf dem Höhenrücken hinter dem Ort.

Kann man im Kurpark den Sonnenuntergang sehen?
Ja. Herrsching liegt am Ostufer des Ammersees, die Sonne geht über dem Wasser unter. Von der Seetreppe aus sieht man genau in diese Richtung.

Was ist das Goethe-Haus im Kurpark?
Ein Wohnhaus nach dem Vorbild des Weimarer Goethehauses, entworfen vom Architekten Roderich Fick. Erich Scheuermann erhielt das Recht, es zu bauen, als er 1934 das Gelände an die Gemeinde verkaufte.

Wann wurde der Kurpark zuletzt saniert?
Von Frühjahr 2011 bis Juni 2012, nach Planung der Herrschinger Landschaftsarchitektin Monika Treiber. Dabei entstanden unter anderem die Seetreppe, erneuerte Wege, elf zusätzliche Bänke und wiederhergestellte Sichtachsen über den See.

🏢 Spaziergang durch den Kurpark Herrsching

📍 Startpunkt: Kurparkschlösschen Herrsching

📍 Adresse: Scheuermannstraße 3

📮 PLZ: 82211

📍 Ort: Herrsching

🗺️ Route in Google Maps

🥾 Wander-Details

Ziel: Kurparkschlösschen Herrsching

Schwierigkeit: leicht

Wegeart: Rundweg

Länge: 2 km

Dauer: ca. 1 Std.

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