Die Münchner Altstadt lässt sich vollständig zu Fuß erkunden – vom Marienplatz aus liegen alle Sehenswürdigkeiten in Gehweite. Hier trifft mittelalterliche Stadtgeschichte auf Einkaufsstraßen, Biergärten und Feste.
Beste Reisezeit: ganzjährig
Warum ist der Marienplatz unbebaut geblieben?
Das verdankt München einer Entscheidung aus dem Jahr 1315: Kaiser Ludwig der Bayer erteilte dem damaligen Schrannenplatz – dem Marktplatz – eine Marktfreiheit und erklärte die unbebaute Fläche „auf ewige Zeiten“ zum Eigentum der Stadt. Jegliche Bebauung war damit verboten.
Heute ist der Marienplatz das Wohnzimmer der Münchner, der Zuagroasten (aller Bewohner, die nicht aus Bayern stammen) und der Besucher aus aller Welt.
Was hat es mit der Mariensäule auf sich?
1638 ließ Kurfürst Maximilian I. die Mariensäule aus Adneter Marmor errichten – aus Dankbarkeit dafür, dass München im Dreißigjährigen Krieg verschont blieb. Die schwedische Heeresführung hatte die Zerstörung gefordert, doch König Gustav II. Adolf entschied dagegen. Man sprach vom „Wunder von München“.
Zu Füßen der goldenen Marienfigur kämpfen vier Putten gegen die Plagen jener Zeit: der Drache steht für Hunger, der Löwe für Krieg, der Basilisk für die Pest und die Schlange für Ketzerei.
Die Mariensäule galt lange als Mittelpunkt Bayerns – bis heute markiert sie den metrischen Nullpunkt aller von München ausgehenden Straßen. Entfernungsangaben „nach München“ beziehen sich auf diesen Punkt.
Was ist der Alte Peter?
Die Peterskirche ist der Geburtsort Münchens: Hier ließen sich im 10. Jahrhundert die Mönche vom Kloster Tegernsee nieder, und lange war sie die einzige Kirche der Stadt. 306 Stufen führen auf den 91 Meter hohen Turm – oben belohnt ein 360-Grad-Rundblick über München bis zu den Alpen. Wenn alle sieben Glocken gleichzeitig läuten, spürt man den Turm leicht schwanken.
Eine Sage berichtet, der Teufel habe eines Nachts an der Kirche genagt. Der Türmer bemerkte es und kämpfte die ganze Nacht mit ihm. Am Morgen wollte ihm niemand glauben – bis man entdeckte, dass das Papstkreuz auf der Turmspitze verdreht war.
Im Inneren lohnt die Suche nach der Kanonenkugel, die in der Kirche steckt. Und der Volkssänger Karl Valentin bemerkte einst zu den vielen Uhren am Turm: Die oberen seien für die großen Leute, die unteren für die kleinen.
Was zeigt das Glockenspiel?
Täglich um 11 und 12 Uhr, im Sommer zusätzlich um 17 Uhr, spielt sich im Turm des Neuen Rathauses das Ritterturnier zu Füßen der Kurfürsten ab. Dafür muss man den Blick heben – das Spiel läuft hoch oben.
Ein Geheimtipp: Mit dem Aufzug geht es auf die Aussichtsplattform des Rathauses, von dort hat man einen wunderschönen Blick über die Stadt.
Warum sieht das Neue Rathaus so alt aus?
Weil es im 19. Jahrhundert schick war, im alten Stil zu bauen. Der Sitz des Oberbürgermeisters erzählt über seine Fassade viel von den Persönlichkeiten Münchens – und wer genau hinsieht, entdeckt das Stadtwappen.
An einer Ecke klettert ein Drache empor: Der Sage nach vergiftete ein Lindwurm mit seinem Atem die Luft und brachte die Pest nach München, bis mutige Bürger ihn besiegten.
Was macht die Frauenkirche besonders?
Die zwei runden Turmhauben sind das Symbolbild Münchens – dabei hätte Architekt Ganghofer eigentlich Spitzgiebel geplant.
Die bekannteste Münchner Sage rankt sich um den Bau: Der Teufel war nicht begeistert von der neuen Kirche und rief den Wind zu Hilfe. Doch die Bauherren nutzten solide Ziegel aus dem Umland. Also schloss der Teufel einen Pakt: Er stimme zu, wenn kein einziges Fenster in der Kirche sei. Die Baumeister waren schlau – sie verdeckten das Chorfenster durch den Altar und ordneten die Pfeiler so an, dass die Seitenfenster von der Vorhalle aus nicht sichtbar sind. Als der Teufel die fertige Kirche betrat und tatsächlich kein Fenster sah, stampfte er wütend auf den Boden und verschwand für immer. Den Teufelstritt findet man bis heute in der Kirche.
In der Frauenkirche befinden sich außerdem das Grabmal Kaiser Ludwigs des Bayern aus schwarzem Marmor sowie 21 Kapellen. Der Nordturm ist mit 99 Metern das höchste Kirchengebäude Münchens – und zugleich Nullpunkt der bayerischen Landesvermessung.
Was ist der Fischbrunnen?
Hier war seit Münchens Anfängen das Leben zu Hause: Am Schrannenplatz trafen sich die Händler der Salzstraße, hier wurden Urteile vollzogen, hier versorgten sich die Münchner mit Lebensmitteln und Fisch.
Zwei Bräuche haben überlebt: Jedes Jahr am Aschermittwoch waschen Prominente ihren Geldbeutel im Brunnen, um im neuen Jahr reich belohnt zu werden. Und alle drei Jahre findet der Metzgersprung statt – dabei springen Metzgerlehrlinge, mit Schaffellen bekleidet, in den Brunnen und bewerfen die Zuschauer mit Nüssen und kaltem Wasser. Früher war das ihr Gesellenritual.
Wo ist der Viktualienmarkt?
Der Markt wanderte vom Schrannenplatz ab und wurde zum heutigen Viktualienmarkt – „Viktualien“ ist das alte Wort für Lebensmittel. Heute ist er einer der bekanntesten Lebensmittelmärkte Deutschlands, mit Biergarten unter Kastanien.
Welche Kirchen lohnen einen Besuch?
Asamkirche: Erst unscheinbar zwischen der Häuserfront, dann überwältigend. Die Brüder Asam bauten sie von 1733 bis 1746 privat zu Ehren des heiligen Nepomuk. Ein Schmuckkästchen des Rokoko – danach weiß man, wie dieser Kunststil aussieht.
Michaelskirche: Nach dem Petersdom in Rom die Jesuitenkirche mit dem größten Tonnengewölbe. Wilhelm V. ließ sie 1583 erbauen; sieben Jahre später brach der Turm ein, weitere sieben Jahre später stand er wieder. Im Keller liegt die Königsgruft – dort ruht auch Ludwig II.
Heilig-Geist-Kirche: Im Deckengemälde findet man einen Mann mit weißem Pferd und Brezel. In der Gasse dahinter markiert eine rote Pflasterlinie einen unterirdischen Isar-Nebenfluss.
Was gibt es am Isartor?
In den Türmen ist das Valentin-Karlstadt-Musäum untergebracht, gewidmet dem Volkssänger Karl Valentin, der zu München gehört wie die Frauentürme. Aufgepasst beim Blick auf die Uhr: Sie läuft rückwärts – und geht trotzdem genau.
Was ist der Alte Hof?
Hier lebte einst die Wittelsbacher Herrscherfamilie. Im Innenhof steht der Affenturm mit spätgotischer Bemalung. Der Legende nach hielt man früher ausgefallene Haustiere – ein Affe lebte in diesem Turm. Er beobachtete täglich, wie das Kindermädchen das Baby des späteren Kaisers Ludwig aus dem Bettchen hob. Eines Tages wollte er auch spielen, nahm das Kind und flüchtete damit auf die Turmspitze. Erst durch gutes Zureden kam er zurück. Seitdem darf man sich hier zum Affen machen.
Was findet man rund um den Odeonsplatz?
Ein Hauch Italien, verdankt der Kunstliebe Ludwigs I.: Hofgarten, Residenz und Feldherrnhalle gruppieren sich um den Platz, von dem aus der Blick die Ludwigstraße hinauf zum Siegestor führt.
Theatinerkirche: 1663 aus Freude über den Thronfolger Max Emanuel gestiftet, im Stil des römischen Barock – bis heute strahlt sie in ihrem markanten Gelb.
Feldherrnhalle: Der Nachbau der Loggia dei Lanzi in Florenz. Die Löwen und das Kriegerdenkmal kamen später hinzu – wobei der eine kein Bayer und der andere kein Feldherr war.
Die Drückebergergasse: Münchner, die den Hitlergruß an den Wachen der Feldherrnhalle vermeiden wollten, nahmen den Umweg durch die Viscardigasse. Goldene Pflastersteine erinnern daran.
Wie lange wurde an der Residenz gebaut?
Rund 500 Jahre. Die Wittelsbacher begannen im 14. Jahrhundert mit einem Wasserschlösschen und hörten mit dem An-, Um- und Weiterbauen nicht mehr auf. Am Eingang lohnt es sich, über die Schnauzen der Löwen zu streichen – das soll Glück für den ganzen Tag bringen.
Wo kann man in der Altstadt einkaufen?
Zwischen Marienplatz und Karlsplatz (Stachus) liegt die Fußgängerzone – Münchens Haupteinkaufsstraße. Exklusiver wird es in der Maximilianstraße. Die Fünf Höfe verbinden Ladenpassage mit Architektur und Kunst unter Glasflächen.
Am Stachus lohnt eine Pause im Augustiner Stammhaus mit Muschelsaal und Glaskuppeldach von 1897.
Wo kann man traditionell einkehren?
Hofbräuhaus: In der Schwemme im Erdgeschoss sitzen bis zu 1.000 Gäste bei bayerischem Essen, Bier und Blasmusik. Neben Touristen gibt es alteingesessene Stammtische. Im zweiten Stock liegen Festsaal und Biermuseum, dazu ein Innenhof mit Wirtsgarten.
Hier spielt auch die Geschichte vom „Münchner im Himmel“: Nach Ludwig Thoma kam der Münchner Alois Hingerl nach seinem Tod in den Himmel und sollte als Engel Aloisius Halleluja singen. Sein unzufriedenes „Luja, Luja sog i“ hielt der liebe Gott bald nicht mehr aus und schickte ihn mit einer Botschaft zur Bayerischen Staatsregierung. Doch Aloisius landete schnurstracks im Hofbräuhaus – wo er bis heute sitzt. Der liebe Gott und die Staatsregierung warten noch.
Café Frischhut: Kult sind hier die Schmalznudeln in der Prälat-Zistl-Straße, gleich beim Viktualienmarkt.
Eataly: In der früheren Schrannenhalle ist Italien eingezogen.
Häufig gestellte Fragen zur Münchner Altstadt
Warum ist der Marienplatz unbebaut?
Kaiser Ludwig der Bayer erklärte den Platz 1315 „auf ewige Zeiten“ zum Eigentum der Stadt und verbot jede Bebauung.
Wie viele Stufen hat der Alte Peter?
306 Stufen führen auf den 91 Meter hohen Turm mit Rundblick bis zu den Alpen.
Wann läuft das Glockenspiel am Rathaus?
Täglich um 11 und 12 Uhr, im Sommer zusätzlich um 17 Uhr.
Was ist der Teufelstritt?
Ein Fußabdruck in der Frauenkirche – der Sage nach hinterlassen vom Teufel, als er merkte, dass die Baumeister ihn überlistet hatten.
Was ist der Metzgersprung?
Ein Brauch, bei dem alle drei Jahre Metzgerlehrlinge in Schaffelle gekleidet in den Fischbrunnen springen – früher ihr Gesellenritual.
Wo liegt König Ludwig II. begraben?
In der Königsgruft unter der Michaelskirche.
Anreise: S-Bahn und U-Bahn Marienplatz (alle S-Bahn-Linien, U3/U6)
Text und Fotos aus: „München kunterbunt“, Scio Verlag © Birgit M. Widmann. Restexemplare direkt bei uns erhältlich.

