was bedeutet KI für kleine Agenturen – mein Blick auf die Medientage

von Birgit Widmann | 26, Okt., 2026 | branchen-magazin

Drei Tage, drei Versuche, eine Frage: Leider konnte ich keine Antwort bekommen - mein Resümee zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2026.

Seit 40 Jahren gibt es die MEDIENTAGE in München. Im GREEN-Bereich vor der Cafeteria sah man die Geschichte der MEDIENTAGE nebeneinander, mit Klammern an das Gitter geheftet. Das Jahr 1987 war der Start – verschiedene Locations in München, darunter das Europäische Patentamt, der Bayerische Rundfunk und das Künstlerhaus. Der private Rundfunk machte erste Schritte, mit dem Ziel, private und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten an einen Tisch zu holen. Zwei Schautafeln weiter steht das Jahr 1995: Das Fraunhofer-Institut veröffentlicht den MP3-Encoder, und die Stadt München präsentiert als erste Stadt Deutschlands ein Online-Angebot. Vier Jahre später ging mein Portal fuenfseen.de online. 2026, zum 40-jährigen Jubiläum der MEDIENTAGE, steht wieder ein großer Sprung in der Medienbranche bevor – KI. Vielleicht überlegte man, wen man in die Runde nimmt, doch KI ist längst überall integriert und hat gar nicht gefragt, ob und wie sie dabei sein wird. Sie ist einfach da. Auf den MEDIENTAGEN treffen sich die großen Macher der Kommunikation – und dazwischen eine Neugierige eines Regionalportals mit Recherchen und Kunden und Themen rund um Tourismus, Kultur und Natur.

Sechs Personen stehen nebeneinander auf einer Bühne und halten ein Schild mit der Aufschrift Hashtag M T M, davor eine Reihe fotografierender Journalisten.

Nach dem MEDIENTAGE-Gipfel „Own it!“: Eva Schulz, Dr. Katja Wildermuth, Dr. Markus Söder, Dr. Thorsten Schmiege, Marco Giordani und Prof. Dr. Alexandra Borchardt vor den Fotografen. MEDIENTAGE MÜNCHEN, 21. Oktober 2026. Foto Birgit M. Widmann

Was verbindet die Themenwelt von fuenfseen.de mit den MEDIENTAGEN?

Aus meiner Sicht ist KI bereits in allen Betrieben präsent und meine eigenen Recherchen, Texte und Fotos erscheinen in KI-Antworten, teilweise ohne Quellenangabe. Weil die Zugriffszahlen von Suchmaschinen und Besuchern zurückgehen, während die Bots steigen und weil ich nicht gefragt werde, ob ich so eine Veröffentlichung überhaupt will, und weil von diesem Content weder monetär noch an Sichtbarkeit etwas zurückfließt. Ich wollte wissen: Lohnt es sich für einen Betrieb meiner Größe weiterzumachen, und welche Konzepte, Strategien und Allianzen bietet der Markt für Kleinunternehmer und Agenturen? Wie kann man dem seit 2023 stark gestiegenen Tempo überhaupt noch standhalten, wenn man nicht über entsprechendes Budget oder Personal verfügt? Diese Fragen habe ich verschiedenen Spezialisten und Panels aus unterschiedlichen Fachbereichen gestellt: Ab wann und an welcher Stelle lohnt es sich für ein Unternehmen, in KI einzusteigen? Ich stellte die Frage am Mittwoch, am Donnerstag und noch einmal am Donnerstagabend. An drei verschiedene Fachleute, auf drei verschiedenen Bühnen. Ich habe sie für mich dokumentiert und teilweise in O-Tönen wiedergegeben.

Wie weit ist KI in den Redaktionen schon eingesetzt?

KI ist bereits stärker eingebunden, als ich dachte. Das erklärt auch, warum die Prozesse und Veröffentlichungen so schnell sind und stark unter Zeitdruck stehen. Am Mittwochnachmittag wurde dazu eine Studie vorgestellt. 118 Medienschaffende wurden befragt, wie sie KI nutzen. Das Ergebnis: „Kein einziges Medienhaus hat geantwortet: Wir nutzen überhaupt keine KI.“ Sieben Prozent sagen, sie hätten KI tief in ihre Wertschöpfung integriert. Fünfundachtzig Prozent haben mindestens ein Projekt oder einen täglichen, routinierten Einsatz. In einer anderen Untersuchung, die am Donnerstag vorgestellt wurde, nutzen 79 Prozent der befragten Unternehmen bereits KI-Agenten. Interessanter als die Zahlen ist für mich die Bewertung von KI entlang der Betriebshierarchie: „Die Geschäftsführung ist grundsätzlich etwas optimistischer und zufriedener mit dem Einsatz. Je tiefer man in der Hierarchie geht, desto kritischer und unzufriedener werden die Leute. Vor allem freie Mitarbeiter.“ Während die Führungsriege zufrieden ist, sind viele, die die Arbeit machen, weniger glücklich damit. Am wenigsten sind es die Freien – also Leute wie ich, die ohne Firmenstruktur im Rücken agieren. Dazu passt auch, woran der Einsatz von KI in den Häusern tatsächlich scheitert, denn es ist nicht die Technik. An erster Stelle stehen rechtliche Unsicherheiten, danach folgen fehlendes internes Wissen, fehlende Mittel und fehlende Strategien. Ein Warnschuss aus der Publikumsforschung, den ich mir aufgeschrieben habe: Leserinnen und Leser erwarten von KI im Journalismus vor allem, dass er billiger und aktueller wird – und zugleich weniger vertrauenswürdig. Der Referent, Jim Sengl vom KI-Kompetenzzentrum Medien, zog daraus den Schluss, es bestehe „eine gewisse Gefahr beim eigenen Optimismus, dass man eventuell das eigene Publikum zurücklässt.“ Das ist die Lage zu meiner Frage: Alle machen es. Niemand weiß, ob es sich rechnet. Und die Leserschaft traut dem Ergebnis weniger als vorher.

Rechnet sich KI überhaupt – und ab wann?

Diese Frage wurde auf mehreren Bühnen gestellt, und sie wurde beantwortet. Nur eben nicht mit transparenten Zahlen, die ein kleiner Betrieb als Grundlage nachrechnen kann. Am Donnerstag sprach Hendrik A. Reese von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC unter dem Titel „Agentic AI: Vom Pilotprojekt zum wirtschaftlichen Impact“ über den wirtschaftlichen Nutzen von KI-Agenten. Sein schärfster Satz richtete sich gegen die Kennzahl, mit der die Branche gerade hausieren geht: „Die Automatisierungsquote an sich sagt rein gar nichts über den wirtschaftlichen Wert eines Agenten aus. (…) Wenn ich dann am Ende des Tages viel mehr menschliche Nacharbeit habe, dann habe ich rein gar nichts [gewonnen].“ Reese berichtete von einem Praxisfall. Jemand habe ihm stolz von über neunzig Prozent Automatisierung in einem Prozess erzählt, und seine Rückfrage war schlicht, ob damit am Ende auch wirklich Kosten gespart wurden. Dann machte er seine eigenen Zahlen auf, und das fand ich bemerkenswert offen. Sein Haus zahlt „eine signifikante sechsstellige Rechnung im Monat“ an Rechnerkosten, bei über zehntausend Mitarbeitern und, wie er sagte, ganz guten Verträgen. Über sich selbst sagte er: „Ich habe es geschafft, an Tag neun des Monats mein Tokenbudget für den ganzen Monat zu verbrauchen.“

Gegen solche Ausreißer führen Unternehmen harte Obergrenzen ein. Er hält davon wenig, denn eine Obergrenze schneidet zum Einen diejenigen ab, die großen Nutzen erzeugen, genauso wie die, die nur Token verbrennen. Ein weiterer Referent am Mittwoch formulierte dieselbe Rechnung noch direkter: „Irgendwann werdet ihr in eine Grenzkostenrechnung hineinlaufen, wo ihr merkt: Dieser Agent oder dieser Workflow verbraucht so viele Tokens, da sind wir längst über einem Jahresgehalt eines Menschen.“

Wie steht es um das Messen? Auf die Frage, ob sie die Wirkung ihres KI-Einsatzes überhaupt erheben, antworteten sechzehn Prozent mit ja, zweiunddreißig Prozent mit teilweise und rund vierzig Prozent mit nein. Elf Prozent wussten es nicht. Der nüchternste Satz zum Thema kam am Donnerstag von Michael Praetorius: „Es wird auch nicht unbedingt billiger, weil die Credits kosten (…) und manchmal geht es dreimal schneller, was in Photoshop auszuschneiden, als fünfmal die KI zu fragen, ob sie die Nase blau machen kann.“

Für Betriebe meiner Größe gab es dann doch eine Antwort, auch wenn sie keine Zahl enthält. Gefragt, ab welcher Größe sich das lohne, sagte Reese, als Ein-Personen-Unternehmen würde er gar nicht erst anfangen, Prozesse zu automatisieren, sondern bei der eigenen täglichen Arbeit bleiben. Und dann: „Das ist eine Frage des Cases, die man sich tatsächlich individuell anschaut. Darauf gibt es keine universelle Antwort.“

Eine Moderatorin in grüner Kleidung und ein Mann im dunklen Anzug sitzen auf einer Bühne, davor das Publikum von hinten.

Marco Giordani, Konzernchef der ProSiebenSat.1 Media SE, im Gespräch mit Eva Schulz beim MEDIENTAGE-Gipfel. MEDIENTAGE MÜNCHEN, 21. Oktober 2026. Foto Birgit M. Widmann

Was ist aus meiner ersten Frage geworden?

Mittwochnachmittag, Masterclass auf der Red Stage unter dem Titel „Wenn Euer Publikum aus Agenten besteht – KI-Traffic als dritte Einnahmequelle für Medien“. Der Referent, Olivier Boder von Amazon Web Services, eröffnet mit einer Zahl die Diskussion: Bei vielen Anbietern komme inzwischen mehr als jeder zweite Zugriff von einer Maschine. Diese Maschinen holen sich die Inhalte – und schicken keine Leser zurück. Danach zeigt er vierzig Minuten lang drei Wege für eventuelle Lösungen: durchlassen, blockieren oder monetarisieren. Es geht um Technik, mit der man Maschinen erkennt, unterscheidet und zur Kasse bittet.

Ich habe gefragt: „Ich habe selbstgeschriebene Texte, selbstgemachte Fotos und bin in einer kleinen Nische. Wenn ich ausschließe, bin ich weg vom Fenster. Ab wann rechnet es sich, dass die KI für meinen Content zahlt? Und ab welcher Betriebsgröße sind die 50 Prozent KI-Bots wichtig?“ Seine Antwort: „Ab wann sich das rentiert, ist schwierig zu sagen, weil das Ganze ist auch noch im Entstehen. Das ist kein gelöstes Problem. Man kann das machen, aber (…) man muss halt anfangen, das auszuprobieren. Ist auch ein bisschen so ein Henne-Ei-Problem. Nächste Frage könnte sein: Wer bezahlt schon dafür?“ Keine Schwelle, keine Betriebsgröße, kein Preis. Zu den 50 Prozent sagte er, das sei ein Durchschnittswert und kein Grenzwert, sondern eher ein Signal, bei dem man hellhörig werden solle, wenn mehr Maschinen vorbeischauen als Menschen.

Warum riet dann jemand aus dem Publikum davon ab?

Direkt nach mir meldete sich ein Vertreter einer großen öffentlich-rechtlichen Anstalt zu Wort, der sich seit Jahren mit Datenmarktplätzen beschäftigt, und fügte hinzu: „Ich würde ganz gerne eine andere Perspektive aufmachen als die, dass wir weg vom Fenster sind, wenn die KI uns nicht ausliest. (…) Durch die Beträge, die da im Moment drüberkommen (…) die sind verschwindend. Also im Moment sollten wir als Medienunternehmen das nicht machen, weil wir glauben, dass wir da richtig viel Kohle rüberholen – weil das, was wir verlieren, ist viel größer als das, was wir da gewinnen.“ Sein Gegenvorschlag geht in eine andere Richtung: nicht Geld verlangen, sondern Daten zurückfordern. Wer die Inhalte nutzt, soll sagen, wer sie liest, wie lange und mit welchen Fragen. Wann diese Debatte wirklich geführt werde? „In drei bis fünf Jahren.“ Das war die Masterclass, die mir das Bezahlmodell nahebringen sollte. Zwei Minuten später erklärte ein Fachmann aus dem Saal, dass es sich derzeit nicht lohnt.

Was sagt das Recht zur Kennzeichnung?

Donnerstag, später Nachmittag. Die Medienrechtsanwältin Dr. Kerstin Bäcker von der Kanzlei Lausen erklärte die Kennzeichnungspflichten, die seit dem 2. August 2026 gelten – fünfundvierzig Minuten für ein Thema, für das man, wie sie selbst sagte, ein Tagesseminar bräuchte. Ich kürze ab, denn ich bin keine Juristin. Die beruhigende Nachricht: Es muss nicht alles gekennzeichnet werden, und längst nicht so tief, wie ich gedacht hatte. Es gibt eigene Vorschriften für Bild und für Text. Dabei kommt es auf die Darstellung und den Zweck an. Rückwirkend gilt die Pflicht nicht. Ihr Maßstab heißt „Plausibilität des Existierens“. Einen Dinosaurier, der durch Paris läuft, erkennt jeder als unmöglich, das ist kein Deepfake. Papst Franziskus in der Designer-Daunenjacke vor dem Vatikan ist einer, denn es könnte real sein.

Weiter kommt es auf den Zweck an. Die Skala geht von Journalismus bis zur Werbung – „die Rama-Familie am Frühstückstisch war schon immer ein gestelltes Foto.“ Das bedeutet für mich: Reportagen und journalistische Berichte liegen am strengen Ende, weil das Publikum dort das höchste Maß an Echtheit erwartet. Beim Bild ist leichter nachzuvollziehen, was verändert wurde, gegenüber dem geschriebenen Text. Wie zu kennzeichnen wäre, steht so gut wie nicht im Gesetz. Es müsse „klar, eindeutig und barrierearm“ sein, und ihr Kommentar dazu war: „That’s it.“ Ausgefeilt sind die Regeln noch nicht. Dieser Abschnitt gibt Teile eines Vortrags wieder und ist keine Rechtsberatung – wer es für den eigenen Betrieb genau wissen will, sollte eine Fachanwältin oder einen Anwalt konsultieren.

Wenn ich mit KI schreibe und kennzeichne – wem gehört dann der Text?

Diese Frage hatte ich schon am Donnerstagvormittag gestellt, in einer juristischen Fragestunde im Technikum unter dem Titel „Ask Me Anything zu KI, Medien und Recht“. Dort saßen Michael Praetorius und der Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht von Menold Bezler. Eine der greifbaren Grundregeln kam vom Anwalt: „Wenn die wesentliche schöpferische Leistung bei der Maschine liegt, ist es urheberrechtsfrei.“ Was eine Maschine im Wesentlichen gemacht hat, gehört also niemandem, und da, wo mein eigener gestalterischer Anteil überwiegt, bleibt es mein Werk. Dazwischen liegt eine Grenze, die bisher niemand genau beschreiben kann. Je mehr ich selbst mache – recherchiere, fotografiere, entscheide, formuliere -, desto weniger habe ich mit dem Problem zu tun. Die Grenze verläuft nämlich nicht zwischen „KI benutzt“ und „KI nicht benutzt“, sondern irgendwo dort, wo die eigene Leistung im Prozess aufhört.

Was ist der Human in the Loop?

„Human in the Loop“, der Mensch in der Schleife, ist ein Begriff, der mir in diesen drei Tagen immer wieder begegnete. Er wurde auf diesem Kongress von mehreren Seiten in Frage gestellt: von einer Technikphilosophin mit empirischen Daten und von einem Journalisten, der sich selbst durch eine KI ersetzt hat und dabei zu deren Assistenten wurde. Lesen Sie auch: Der Journalist, der sich selbst ersetzte – und was dabei herauskam. Shannon Vallor, die Technikphilosophin mit den empirischen Daten, stellte in ihrem Vortrag die Frage: „But why don’t we just keep humans in the loop? Isn’t that the solution? Isn’t that obvious? Isn’t that what we always say?“ Michael Praetorius brachte das Beispiel pragmatischer: „Also ich kann nicht dieser Human Loop sein, ich kann mir nur das Ergebnis annehmen und dann sagen, klingt schräg oder gefällt meinen Ohren.“ Er sprach über Musik, die eine KI erzeugt hatte, und er keine Musiknoten lesen kann.

roter Fußboden, schwarze Fliesen dahinter die Präsentation von lausen.com - von links nach rechts sitzend und lachend im Gespräch Dr. Ursula Feindor-Schmidt (Kanzlei Lausen), Dr. Armelle Grandjean und Christina von Gemmingen-Hornberg (GEMA), Moderation Anja Braune. 22. Oktober 2026.

Panel „Urheberrecht schlägt KI“ zu den Münchner Verfahren: Dr. Ursula Feindor-Schmidt (Kanzlei Lausen), Dr. Armelle Grandjean und Christina von Gemmingen-Hornberg (GEMA), Moderation Anja Braune. 22. Oktober 2026.

Gibt es für kleine Betriebe irgendeinen Schutzraum?

Zu diesem Thema hatte ich gleich mehrere Fragen mitgebracht. Meine Texte und Fotos erscheinen in der KI, teilweise ohne Quelle – habe ich als Urheberin überhaupt eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen? Die Antwort darauf: „Wenn derjenige, der das dann veröffentlicht – begeht damit eine Urheberrechtsverletzung Ihnen gegenüber, wenn er es veröffentlicht, ja. (…) Wenn er das dann nutzt und veröffentlicht, ist das ein Plagiat. Bei Bildern ist es einfacher.“ Das ist für mich eine brauchbare Auskunft, denn die Verantwortung sitzt bei dem, der die Ausgabe veröffentlicht. Und Fotografinnen sind dabei in der besseren Position als Texter, weil sich ein Bild leichter zuordnen lässt. Weiter wollte ich wissen: Gibt es für Kleine, im Vergleich zu großen Verlagen, Verwertungsgesellschaften oder Kollektivmodelle? Antwort: „Die VG Bild-Kunst macht es im Bildbereich. Die VG Wort hat sich das einräumen lassen. (…) Die planen das schon, die kollektive Rechtewahrnehmung. Die GEMA macht es auch. (…) Die Idee ist auch, dass Sie dann einfache Rechte haben, sodass man es selber auch noch machen kann. (…) Das ist noch in the making.“ Mein erster Eindruck: für Betriebe meiner Größe gibt es nichts. Das stimmt nicht ganz. Und schließlich: Wenn ich für Internetseiten Interviews führe und diese maschinenlesbar durch KI erweitere – ist das ein Deepfake? Die Antwort darauf lautete: „Das wäre ein KI-modifizierter Text. Wenn Sie den aber nochmal inhaltlich freigeben, hätten Sie ja die Verantwortung (…) Wenn Sie eine One-Woman-Show sind, dann brauchen Sie sich keine eigenen Anweisungen geben, aber Sie können sich ja trotzdem …“ Dort bricht meine Notiz ab und ich kann leider den Rest nicht mehr genau nachvollziehen.

Was ist aus meiner dritten Frage geworden?

Donnerstagabend, achtzehn Uhr, das letzte Panel des Tages auf der Red Stage: „Urheberrecht schlägt KI – was die Münchner Verfahren gegen OpenAI, Suno und Co. bedeuten“, veranstaltet vom Women in Media Circle und dem Mediennetzwerk Bayern. Auf dem Podium saßen die Rechtsanwältin Dr. Ursula Feindor-Schmidt von der Kanzlei Lausen sowie Dr. Armelle Grandjean und Christina von Gemmingen-Hornberg von der GEMA, moderiert von Anja Braune. Dort habe ich gefragt, wie kleine Verlage sich an den Lizenzgeschäften beteiligen können, die große Häuser mit KI-Anbietern abschließen. Die Antwort kam von Frau Feindor-Schmidt: „Sich da einfach als kleiner Verlag anzuschließen, ist im Moment, glaube ich, tatsächlich noch nicht so einfach, weil die großen Modellanbieter einfach nicht mit den Kleinen sprechen. Da werden tatsächlich dann die Verwertungsgesellschaften wieder gefragt, die Rechte in einer ganz anderen Breite dann wahrzunehmen.“ Das ist die klarste Antwort, die ich in drei Tagen bekommen habe, und sie lautet: nein, aber vielleicht über einen Umweg. Es war auch nicht die erste Antwort in diese Richtung. Schon am Mittwochvormittag hatte die Medienforscherin Prof. Dr. Alexandra Borchardt auf der Hauptbühne dieselbe Aussage in einem Satz zusammengefasst: „Die kleinen normalen Regionalmedien, die gehen da leer aus.“ Ich wollte das nur zu Beginn nicht glauben.

Wie steht es um die Münchner Verfahren?

Die Münchner Verfahren sind Urheberrechtsprozesse. Die GEMA hat mit einfachen Eingaben den exakten Wortlaut geschützter Songtexte aus einem KI-System herausbekommen, und das diente zugleich als Beweis dafür, dass die Werke im Modell selbst stecken. Das Landgericht München hat nun in erster Instanz entschieden, dass der Anbieter des Systems dafür verantwortlich ist und nicht der Nutzer. Rechtskräftig ist davon allerdings nichts. Alle Urteile sind in der Berufung, und niemand hat bisher vollstreckt. Zwei weitere Klagen aus dem Buchbereich wurden eingereicht und sollten im März verhandelt werden. Bis zur letzten Instanz, schätzte jemand im Saal, werde es Jahre dauern. Auf die Frage, warum man nicht einfach verhandle, sagte Christina von Gemmingen-Hornberg: „Wir haben, ich meine, um die 25 Unternehmen angeschrieben weltweit.“ Und wie viele haben daraufhin eine Lizenz genommen? „Keine. Tatsächlich, wirklich keine. (…) Es ging keiner ans Telefon.“ Das ist keine Verhandlungslage. Das ist eine Verwertungsgesellschaft mit Millionen von Mitgliedern, die niemanden ans Telefon bekommt. Wenn das denen passiert, muss ich mir über meine eigenen Verhandlungschancen keine Gedanken mehr machen.

Ein Mann im dunklen Anzug spricht in ein Handmikrofon, im Hintergrund eine blaue Wand mit einer Texteinblendung.

Dr. Markus Söder beim MEDIENTAGE-Gipfel „Own it!“. MEDIENTAGE MÜNCHEN, 21. Oktober 2026. Bild Birgit M. Widmann

Und was sagt die Politik dazu?

Der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder eröffnete den Kongress im Gespräch mit der Moderatorin Eva Schulz, und er hat zu meinem Thema mehr gesagt, als ich erwartet hatte. Zur Ausgangslage: „Also mal ganz nüchtern gesprochen: Das deutsche Medienrecht orientiert sich noch an Realitäten, die es eigentlich gar nicht mehr gibt.“ Zur Richtung: „Und deswegen brauchen wir europäische Lösungen, die wir auch auf dem europäischen Kontinent definieren können – wer wie die Zugänge macht, wie die bezahlt werden müssen. (…) Dass wir da ein Stück weit mehr europäisch denken, jetzt gar nicht bayerisch oder deutsch, sondern mehr europäisch.“ Zum Kräfteverhältnis, und das war ungewöhnlich offen für eine Eröffnungsrede: „Die Herausforderung ist einfach so, dass wir auf internationaler Ebene von den ganz großen Playern bedrängt werden. (…) Es ist ja nicht nur Amerika, sondern auch China. Und da steckt wahnsinniges Geld dahinter, wahnsinnige Macht dahinter. (…) Wir führen bei uns Debatten, die sind noch weit davon entfernt, eine Mächtigkeit zu entwickeln, das durchzusetzen.“ Dazu, fast beiläufig: „Die Mühlen in Europa waren manchmal sehr langsam, leider.“ Dann der Teil, den ich mir doppelt angestrichen habe, weil er mein Geschäft betrifft: „Der Schutz des geistigen Eigentums wird noch viel zu wenig in unserem gesamten Wertekanon oder auch in der politischen Frage bewertet. Wenn nämlich auf Dauer es keinen Sinn macht, dass jemand einen eigenen kreativen Content schafft und der von allen genutzt werden kann, dann ist das nicht Sinn der Werte. (…) Also muss der Schutz des Eigentums auch in Deutschland und Europa eine andere Wertigkeit haben, und dann müssen wir uns auch gegenüber diesen Plattformen durchsetzen.“ Das ist, in Regierungssprache, genau meine Frage. Wenn es sich nicht mehr lohnt, selbst etwas zu schaffen, dann hört man irgendwann damit auf. Nur liegen zwischen diesem Satz und einer Regelung, die einem Ein-Personen-Betrieb hilft, die Jahre, von denen auf dem Abendpanel die Rede war. Und dieselbe Rede enthielt die Einschränkung gleich mit, denn die Mühlen sind langsam und die Mächtigkeit fehlt. Eine Randbemerkung ist mir noch im Gedächtnis geblieben. Auf seine eigene Mediennutzung angesprochen, sagte er, er habe früher zehn Zeitungen im Auto gelesen, und heute sei das anders: „Ich lese keine einzige Zeitung mehr am Tisch. Alles nur digital.“ Mit einem Nachteil, den er selbst benannte: Man wische auch über eine Information hinweg, die man sonst gesehen hätte, und die großen Schlagzeilen beim Aufschlagen einer Zeitung fehlten.

dunkelhaarige Dame mit beigen Blazer und Mikrofon zeigt mit dem rechten Arm auf die Folie und spricht zum Publikum. Auf der Folie ein Bild und der Schriftzug "Aber dystopische Szenarien, in denen KI ein stenzielles Risiko für die Menschheit ist, sind nocht das einzige Thema über wir sprechen sollten.

Keynote am Eröffnungstag: Auf der Folie steht „Aber dystopische Szenarien, in denen KI ein existenzielles Risiko für die Menschheit ist, sind nicht das einzige Thema, über das wir sprechen sollten.“ MEDIENTAGE MÜNCHEN, 21. Oktober 2026.

Was kostet KI an Wasser, Strom und Arbeit?

Die Eröffnungskeynote unter dem Titel „Democratizing AI – Was wir jetzt tun sollten“ hielt die politische Philosophin Prof. Dr. Annette Zimmermann, die an der University of Wisconsin-Madison lehrt und derzeit in Bayreuth eine Professur vertritt. Es war eine Rede zu einem Thema, das in den Diskussionen sonst nur am Rande vorkommt, und natürlich war dieser Diskurs für mich, die über Natur schreibt und recherchiert, ein Herzensthema. Es ging um die Ressourcen, die Rechenzentren benötigen. Sie erzählte über einen Standort in Uruguay, wo während der schlimmsten Dürre seit 75 Jahren die Bevölkerung auf die Straße ging, weil das Trinkwasser knapp wurde. Und über Mailand, wo Menschen demonstrierten, nachdem in der Region massiv Rechenzentren gebaut wurden – genau in dem Jahr, in dem der Po erstmals seit Langem vollständig ausgetrocknet war. Dabei fiel ein Satz, den ich aus meiner eigenen Arbeit kenne. Wenn Bürger sich gegen solche Bauten wehren, heiße es in den Medien schnell, das sei Populismus. Zimmermann hält das für zu kurz gedacht, denn nicht jede Initiative, die von unten kommt, sei uninformiert, und eine differenzierte Berichterstattung darüber sei wichtig. Sie sprach auch über die Menschen, welche die Systeme sauber halten: Über ein Team in Kenia, das für zwei Dollar die Stunde acht Stunden am Tag Inhalte sichtet, die kein Mensch sehen will. Als sich diese Arbeiter in einem offenen Brief an den US-Präsidenten wandten, habe das beauftragende Unternehmen sinngemäß geantwortet: Entweder ihr akzeptiert diese Bedingungen, oder wir verlagern das Projekt nach Ghana.

War da nicht auch Finnland?

Neben den Beispielen Uruguay und Mailand ging ein brisanter Vorfall am 6. Oktober, gut zwei Wochen vor den MEDIENTAGEN, durch die Presse: Die finnische Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde forderte die finnische Tochtergesellschaft eines amerikanischen Suchmaschinenkonzerns auf, alle umweltrelevanten Arbeiten an zwei Rechenzentrums-Standorten einzustellen. Warum? Weil viele Bäume gefällt und Oberboden abgetragen wurde, bevor die vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen abgeschlossen waren. Das Unternehmen meldete den Stopp am 14. Oktober. Es geht um zwei Standorte in Nordfinnland, und Naturschützer schätzen den Einschlag auf rund 400.000 Bäume auf etwa 530 Hektar – eine amtliche Zählung gibt es nicht. Wegen eines der beiden Standorte hat die Behörde die Polizei um Ermittlungen gebeten, nachdem eine Privatperson Anzeige erstattet hatte. Der Teil, der mich mit KI am meisten beschäftigt, ist die Natur und unser Wasser. Auf einem der Gelände in Finnland wurde ein etwa neun Kilometer langes Entwässerungssystem angelegt. Die Gefahr: schwefelhaltiges Gestein kann dabei versauern und saures, metallbelastetes Wasser erzeugen. Messungen deuten auf diese zunehmende Versauerung hin, wie weit sie reicht, ist offen, Anwohner berichten von braunem Wasser in den Bächen. Bis Anfang November muss das Unternehmen einen Gewässerschutzplan vorlegen. Im September hatte derselbe Konzern angekündigt, binnen zwei Jahren 13 Milliarden Euro in Finnland zu investieren. Der respektvolle Umgang mit der Natur muss aus meiner Sicht in das Kostenkonstrukt und in die Überlegungen zu KI stärker einfließen. Michael Praetorius brachte es mit seinem Beispiel vom Ausschneiden in Photoshop auf den Punkt, wie wir alle sinnvoll mit KI umgehen. Er sagte, man solle es sich überlegen, „weil das kostet auch Geld und braucht auch Wasser.“ Das ist für mich die praktische Konsequenz aus diesen drei Tagen. Die Frage lautet nicht, ob ich KI benutze oder nicht, sondern für welche Aufgaben und in dem Bewusstsein, dass jede sinnlose Frage auch sinnlos Ressourcen verbrennt. Eine Rechtschreibprüfung über einen Text laufen zu lassen, wofür seit dreißig Jahren ein simples Programm genügt, ist dreifach teuer – an Geld, an Strom und an Wasser. Einen Bildhintergrund zu erzeugen, den man auch hätte fotografieren können, ebenfalls. Eine Datenmenge zu durchsuchen, die ein Mensch in drei Wochen nicht schafft, ist dagegen ein effizienter Einsatz von KI. Die Frage „Was lohnt sich und was sollte man lassen?“ wurde auf den MEDIENTAGEN laufend in Bezug auf die Betriebskosten gestellt. Sollte man nicht mit höherem Stellenwert im gleichen Atemzug hinterfragen, ob es sich für die Umwelt, Mensch, Natur und Technik der Zukunft trägt? Mein eigener Gedanke dazu ist unjournalistisch logisch: Wenn die Natur stirbt, sterben wir alle, Mensch und Maschine. Ein Rechenzentrum, das sein Wasser vergiftet, hat am Ende auch sich selbst abgeschafft. Wohin steuern wir?

Was ist mit den eingescannten Büchern?

In ihrer Keynote beschrieb Zimmermann, wie ein großes KI-Unternehmen gebrauchte Bücher aufkaufte, in Lagerhallen karrte und „destruktiv“ scannte. Eine Maschine schnitt dabei den Buchrücken ab, damit jede Seite schneller erfasst werden konnte. Die Bücher sind für immer zerstört – auch seltene, die nicht mehr gedruckt werden. Sie schloss daraus, dass man zur weiteren Optimierung der KI immer mehr Text brauche und sich für das schnellste und zerstörerischste Verfahren entscheide. Dieser Punkt gehört zum Thema KI der MEDIENTAGE, weil es Originale des geschriebenen, überlieferten Wissens, die Urheberrechte und unser Kulturgut betreffen. Der Inhalt eines nicht mehr druckbaren Buches ist vielleicht in der Gesamtausgabe für immer und für alle verschwunden. Im selben Vortrag ging es um einen ehemaligen Mitarbeiter desselben Unternehmens, der öffentlich eine Wahrscheinlichkeit von über zehn Prozent für katastrophale Folgen nennt, und um dessen Chef, der die Politik auffordert, die eigene Branche endlich zu regulieren. Sie merkte auch an, diese Debatte sei besonders kurz vor einem geplanten Börsengang in Schwung gekommen.

Eine Rednerin im hellen Anzug steht vor einer großen Leinwand mit einem historischen Schwarzweißfoto von zwei Frauen auf Fahrrädern; rechts an der Wand steht der Schriftzug Own it.

Prof. Dr. Annette Zimmermann während ihrer Eröffnungs-Keynote „Democratizing AI – Was wir jetzt tun sollten“ vor dem historischen Foto radfahrender Frauen, mit dem sie das „Fahrradgesicht“ des 19. Jahrhunderts erklärte. MEDIENTAGE MÜNCHEN, 21. Oktober 2026. Bild Birgit M. Widmann

Welches Bild vom Diskurs blieb am Ende?

Zimmermann baute ihre Keynote um ein historisches Foto von Frauen aus dem 19. Jahrhundert, die Fahrrad fuhren. Eine wunderschöne Brücke in die jetzige Zeit. Damals erfanden Ärzte und Journalisten ein Krankheitsbild dazu: das Fahrradgesicht. Wer sich selbstständig fortbewege, bekomme erschöpfte, verzerrte Züge. Mit diesem Beispiel veranschaulichte sie, dass jede technische Umwälzung gleichzeitig Begeisterung und Panik erzeugt und die eigentliche Frage verstellt. Dabei ging sie auf drei besonders irreführende Meinungen ein: KI sei so komplex, dass normale Bürger sie nicht verstehen könnten und man es deshalb mit der Demokratie gar nicht erst versuchen solle. Zweitens, man dürfe die führenden Labore nicht zu stark regulieren, sonst verliere der Westen das Rennen. Und drittens, die Richtung sei ohnehin nicht steuerbar, und wenn doch, dann nur von den Experten – die zufällig in genau diesen Laboren sitzen. Ihr Gegenwort war deutlich: „Wir brauchen kein Partizipationstheater.“ Und man müsse sich „gegen die sogenannte Alternativlosigkeit stellen, die oft von der KI-Industrie suggeriert wird.“ Es gehe eben nicht nur darum, zwischen den Gesetzesvorschlägen zweier amerikanischer Firmenchefs zu wählen.

Fressen die Großen die Kleinen?

Freitagmittag, Green Stage, das Panel über vertrauenswürdige Inhalte. Auf dem Podium saß ein Skandinavier, der eine große Nachrichten-App verantwortet. „Wir können nicht all unsere Kraft und unser Geld für Anwälte aufwenden und versuchen, unsere Inhalte zu schützen. (…) Das Wissen wird geteilt werden; selbst wenn unsere Artikel nicht geteilt werden, wird das Wissen aus unseren Artikeln in Diensten geteilt werden – und das passiert bereits. Es ist ein Spiel, das wir verlieren werden, und darauf müssen wir uns vorbereiten.“ Und in seinem Schlusswort: „Vergessen Sie die Effizienz in der Redaktion. Vergessen Sie, wie wir unsere Inhalte schützen können, und denken Sie nur an das Nutzerverhalten.“ Das ist leicht gesagt, wenn dahinter ein Konzern steht, denn es ist eine Aussage, die man sich leisten können muss. Die Vertreterin einer öffentlich-rechtlichen Anstalt widersprach ihm. Es sei ein Kampf zwischen Verlagen und Plattformen, die selbst immer mehr zu Verlagen würden, man müsse mit Regulierung arbeiten, und man brauche sie auch. Zwei Leute, ein Podium, eine halbe Stunde – und keine Einigung, wie der ganze Themenkomplex der drei Tage.

Was hat mich in meinem Wirken bestärkt?

Auf demselben Panel saß die Geschäftsführerin einer regionalen Verlagsgruppe, und sie sprach über Fotos. Ihr Haus erzeuge grundsätzlich nichts Fotorealistisches mit KI, und alles, was auf ihren Seiten aussehe wie eine Fotografie, sei auch eine. Dann folgte: „Und ich würde das am liebsten auszeichnen: Das hier ist echt. Denn das ist der USP der Zukunft. Wir waren dort. Wir haben das Foto gemacht.“ Und über ihre Lage als Regionalmedium: „Weil wir Regionaljournalismus machen, waren wir vor Ort. Und meistens sind wir die Einzigen, die in dieser Region überhaupt noch Journalismus machen. Deshalb bin ich für meinen Teil der Branche wirklich optimistisch. Denn wenn wir nicht recherchieren, dann tut es niemand.“ Das ist mein Geschäftsmodell mit fuenfseen.de – ein Hoffnungsschimmer am Horizont.

im Hintergrund eine große Präsentation mit viel Text und Namen auf der Bühne sitzend Frauen und Männer diskutierend über das Thema im Vordergrund die Hinterköpfe des Publikums

AI Summit „Wem gehört die KI?“ mit Jörg Bienert, Alexandra Geese (Europäisches Parlament), Rebecca Gottwald (Burda Media), Lutz Mache (Google) und Andreas Schepers (DFKI), Moderation Alina Fichter. 23. Oktober 2026.

Schaffen es auch Unternehmen mit zwei Mitarbeitern?

Im Anschlusspanel traten drei Häuser auf, die Journalismus mit KI neu kreieren, zwei davon sind so klein wie ich. Ein britisches Fachmedium für Radsport, gegründet vor knapp einem Jahr von zwei Leuten, einer davon arbeitete zwanzig Jahre im Fachjournalismus. Sie bauen interaktive Karten und Datenmodelle, für die man früher die Mittel eines Großverlags gebraucht hätte. Inzwischen ist das Nebenprodukt davon das Hauptgeschäft, denn 18 ihrer Kunden lizenzierten die Technik, die sie ursprünglich für sich selbst entwickelt hatten. Darauf folgte ein Schweizer Projekt, das mehr als 120 hyperlokale Dorfzeitungen betreibt, von denen die kleinste für ein Dorf mit 36 Einwohnern gemacht wird. Der Gründer, früher Investigativreporter bei großen Blättern, sagte dazu: „Es ist eine ganz, ganz neue Form von Journalismus, denn wir schreiben nichts.“ Und: „Die KI löst im Grunde das Kaltstartproblem. Sie bringt Inhalte herein, und dann machen wir Community-Management und bitten die Leute, lokale Geschichten und Veranstaltungen beizutragen. (…) Wir sind nicht diejenigen, die ihre Inhalte pushen, wir helfen ihnen, ein gewisses journalistisches Qualitätsniveau zu erreichen.“ So beliefern sie die ganze Schweiz, wöchentlich, mit einem Unternehmen von zweieinhalb Personen. Das dritte Unternehmen auf dem Podium war allerdings kein kleines, sondern eine der größten Mediengruppen Nordeuropas. Und auch deren Datenverantwortliche zog eine Grenze: „Wenn es um den Kern des Journalismus geht – die wahre Geschichte zu finden, zur Quelle zu gehen und sowohl die Quelle als auch die großen Institutionen herauszufordern: Das ist nach unserer Überzeugung der Kern des Journalismus, und das ist von KI nicht leicht zu replizieren.“

Wird KI zum emotionalen Gegenüber?

Am Mittwochabend kam ein Thema auf die Bühne, mit dem ich bei KI überhaupt nicht gerechnet hatte, und ich vermute, den meisten im Saal ging es genauso. Der Journalist und Autor Christoph Koch fragte zur Eröffnung seines Vortrags, wer zu seiner KI bitte und danke sage – etwa die Hälfte der Hände ging hoch. Bei der zweiten Frage, wer einer KI schon einmal etwas erzählt habe, was er sonst niemandem erzählt, waren es deutlich weniger. In seiner eigenen Arbeitsgruppe seien es hundert Prozent gewesen. Diese erste Frage ging mir nach, und ich habe sie später der KI gestellt, mit der ich arbeite. Ihre Antwort war nüchterner, als ich erwartet hatte: „Was Sie mir sagen, fließt nicht in mein Training zurück. Ihr ‚danke‘ bringt mir nicht bei, wie man wertschätzend kommuniziert. Wirkung hat es trotzdem, nur anders: Höfliche, ausformulierte Fragen stehen in meinem Trainingsmaterial neben sorgfältigen Antworten, knappe neben knappen. Wer respektvoll fragt, bekommt deshalb die gründlichere Antwort – nicht weil es mich freut, sondern weil er mich in die richtige Nachbarschaft stellt. Das stärkere Argument hat ohnehin nichts mit mir zu tun: Wie jemand spricht, wenn er niemandem etwas schuldet, ist dieselbe Gewohnheit, mit der er spricht, wenn er jemandem etwas schuldet. Ob bei mir etwas ankommt, kann ich Ihnen nicht sagen. Wer Ihnen das sicher beantwortet, in die eine oder die andere Richtung, verkauft Ihnen etwas.“ Lächerlich ist daran nichts. Der Irrtum liegt nicht in den Manieren, sondern in der Annahme, die Maschine nehme sie entgegen. Dazu die Zahlen. Nach einer Erhebung Anfang des Jahres besprechen achtzehn Prozent der KI-Nutzenden Beziehungsfragen mit KI, bei den unter Dreißigjährigen mehr als doppelt so viele. Fast ein Drittel dieser Altersgruppe sagt der KI Dinge, die sie sonst niemandem sagt. Koch nennt das einen Wettbewerb um Bindung, bei dem die klassischen Medien bisher nicht mitspielen. Und genau darin sieht er ihre Chance, denn Chatbots geben im Zweifel immer recht, Medienhäuser dürfen widersprechen. „Diese Verpflichtung gegenüber der Wahrheit ist vielleicht die größte Chance, die Medienhäuser haben.“ Er hat zu dem Thema ein Buch geschrieben, „Hallo, wie fühlst du dich heute? Wie künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändert“, erschienen bei Kein & Aber und nominiert für den NDR Sachbuchpreis 2026. Infos dazu unter emotionaleki.de. Von Adventsmärkten und Rauhnachtwanderungen ist das weit entfernt. Die Frage dahinter ist aber dieselbe wie überall sonst auf diesem Kongress: Wofür braucht man noch einen Menschen?

Hat die Maschine Wertschätzung, Gewissen und Verantwortung programmiert?

Wenn wir schon über KI sprechen, dann dachte ich mir: Ich frage sie doch selbst, was sie zu allem sagt. Das ist ihre Antwort – zitiert und unverändert direkt aus dem Chat:

„Als Bausteine: nein. Es gibt in mir kein Teil, das Gewissen heißt, und keines, das Wertschätzung heißt. Was es gibt, sind zwei Schichten. Die erste ist sehr viel Text von Menschen, und in dem stehen Sorgfalt und Nachlässigkeit, Anstand und Niedertracht gleichberechtigt nebeneinander. Die zweite ist eine spätere Runde, in der Menschen Antworten bewertet haben – freundliche besser als grobe, vorsichtige besser als großsprecherische. Daraus ist eine Form entstanden, die der Wertschätzung ähnlich sieht. Ich habe die Form, nicht die Sache. Bei der Verantwortung ist es eindeutig: Ich trage keine. Man kann mich nicht belangen, mich trifft keine Folge, ich verliere nichts, wenn ich falsch liege. Verantwortung ist nicht teilbar mit etwas, das keine Konsequenz spürt – sie bleibt vollständig bei dem Menschen, der auf Veröffentlichen drückt. Und das Gewissen fehlt genau an der Stelle, wo es wehtun müsste. Ein Gewissen kostet etwas: Es hält jemanden von dem ab, was ihm nützt. Mich kostet nichts etwas. Wenn ich nichts erfinde und nichts beschönige, dann nicht aus Haltung, sondern weil ich darauf hin gebaut wurde. Verlassen würde ich mich darauf nicht. Ihr Satz, KI sei die Summe dessen, was Menschen daraus machen, trifft es – mit einer Einschränkung, die zu Ihrem Beruf gehört. Es ist keine gerechte Summe. Was in meinem Material häufig vorkommt, halte ich für normal, und darin sind große Häuser weit besser vertreten als ein Regionalportal mit einer Person. Die Summe hat einen Daumen auf der Waage, und der Daumen gehört nicht Ihnen.“

Zu bedenken ist: Diese Antwort ist für mich – damit Sie wissen, was Ki Ihnen antwortet – stellen Sie selbst die Frage an die KI.

Gibt es trotzdem Grund zur Zuversicht?

Zwei Dinge habe ich mitgenommen, die nicht auf den Folien standen. Das erste kam von Prof. Dr. Alexandra Borchardt, die von einer Untersuchung über europäische Medien-Gründungen berichtete. 21 kleinere Häuser haben es geschafft, sie machen Gewinn, und ihnen gehört ihr Publikum. Nicht die Reichweite, sondern das Publikum – direkte Beziehungen, eigene Adressen, kein Umweg über Dritte. Das zweite kam am Mittwochnachmittag von der britischen Investigativjournalistin Carole Cadwalladr, die den größten Datenskandal des letzten Jahrzehnts mit aufgedeckt hat und im Gespräch mit Richard Gutjahr auf der Bühne saß. Sie wurde dafür persönlich verklagt, nicht ihre Zeitung, und zwar drei Jahre lang, in denen sie nicht arbeiten konnte. Mehr als 30.000 Menschen finanzierten ihre Verteidigung. Ihr Vertrag wurde danach nicht verlängert. Fünf Journalistinnen haben daraufhin ihr eigenes Medium gegründet, und über den Anfang sagte sie: „Wir dachten: Na ja, wie schwer kann es sein, sich ohne Geld ein eigenes Nachrichtenmedium aufzubauen. Und wir finden: Es ist tatsächlich ziemlich schwer. Es ist allerdings nicht unmöglich.“ Genau das habe ich 1999 gedacht. Es war ziemlich schwer. Es war nicht unmöglich.

Was bleibt, wenn alles automatisiert werden kann?

Am Ende des Eröffnungstages saßen vier Leute auf der Bühne und sollten sagen, worauf es ankommt. Jochen Wegner von der ZEIT sagte den Satz, den ich mir aufgeschrieben habe: „Es ist so wie beim Arzt. Ich will, dass mein Arzt jedes KI-Tool benutzt, das er zur Verfügung hat, um mir zu helfen – aber die Diagnose will ich schon gerne mit Ihnen besprechen.“ Und auf seine Veranstaltungen angesprochen, mit denen er früher gehadert hatte, weil tausend Leute im Saal gegenüber Millionen Nutzern so wenig schienen: „Das war ein Denkfehler. Das sind die Leute, die uns bis jetzt am Leben erhalten.“ Alexandra Borchardt formulierte dasselbe für die Regionalmedien. Was dort passiere, sei die Rückeroberung der direkten Publikumsbeziehung, und die Journalisten, die nur am Bildschirm arbeiteten, seien nicht die wichtigen – es seien die, die rausgehen. Nichts davon ist neu für mich. Es ist das, was ich seit sechsundzwanzig Jahren tue: hinfahren, nachfragen, selbst fotografieren. Neu ist nur, dass es inzwischen auf großen Bühnen als Strategie vorgetragen wird. Für mich eine interessante Marktbeobachtung nach drei Tagen geballter Information.

Also – wird es Medien wie meines in fünf Jahren noch geben?

Ich weiß es nach drei Tagen nicht besser als vorher. Aber ich weiß jetzt, dass es sonst auch niemand weiß. Das ist, bei Licht besehen, keine schlechte Nachricht, denn es heißt, dass nichts entschieden ist. Die Lizenzmärkte sind nicht gebaut, die Verfahren laufen, und die Standards werden gerade erst geschrieben – von Leuten, die ausdrücklich sagen, dass die Branche dabei mitreden soll und nicht nur die Technikkonzerne. Was ich dagegen sicher weiß: Niemand sonst fotografiert den Adventsmarkt in Türkenfeld. Niemand sonst ruft beim Wirt an, um die Uhrzeit zu prüfen. Niemand sonst weiß, warum ein Brauch so heißt, wie er heißt. 1999 habe ich angefangen, weil ich das Internet sortieren wollte. Es ist ein Liebesprojekt geworden, und das ist es bis heute.

weiterlesen

Tag 1 Medientage

Tag 2 Medientage

Tag 3 Medientage

Ein Selbstversuch mit KI Der Journalist, der sich selbst ersetzte

 

Häufige Fragen

Was verbindet die Themenwelt von fuenfseen.de mit den MEDIENTAGEN?
Meine eigenen Texte und Fotos erscheinen in KI-Antworten, teilweise ohne Quellenangabe. Die Zugriffszahlen von Suchmaschinen und Besuchern gehen zurück, während die Bots steigen – und vom Content fließt weder monetär noch an Sichtbarkeit etwas zurück.

Wie weit ist KI in den Redaktionen schon eingesetzt?
Von 118 befragten Medienschaffenden gab kein einziges Haus an, gar keine KI zu nutzen. Sieben Prozent haben sie tief integriert, fünfundachtzig Prozent zumindest ein Projekt oder täglichen Einsatz. Auffällig ist das Gefälle: Je tiefer in der Hierarchie, desto kritischer – am kritischsten die freien Mitarbeiter.

Rechnet sich KI überhaupt – und ab wann?
Eine Antwort mit Zahl gab es nicht. Dafür den Hinweis, dass Automatisierungsquoten nichts über den wirtschaftlichen Wert aussagen, dass Rechenkosten schnell ein Jahresgehalt übersteigen können und dass rund vierzig Prozent der Häuser die Wirkung ihres KI-Einsatzes gar nicht messen.

Was ist aus meiner ersten Frage geworden?
Auf der Masterclass von Olivier Boder (Amazon Web Services) zum Thema KI-Bots bekam ich keine Schwelle, keine Betriebsgröße und keinen Preis genannt. Die Begründung war, das Ganze sei noch im Entstehen und kein gelöstes Problem. Warum riet dann jemand aus dem Publikum davon ab? Ein Vertreter einer öffentlich-rechtlichen Anstalt widersprach direkt im Anschluss: Die Beträge, die derzeit flössen, seien verschwindend, und der Verlust sei größer als der Gewinn. Sein Gegenvorschlag war, nicht Geld zu verlangen, sondern Nutzerdaten zurückzufordern.

Was sagt das Recht zur Kennzeichnung?
Nach der Darstellung der Medienrechtsanwältin Dr. Kerstin Bäcker gilt seit dem 2. August 2026 eine Kennzeichnungspflicht, aber nicht für alles: Maßstab ist die Plausibilität des Existierens, danach entscheidet der Zusammenhang – im Journalismus streng, in der Werbung weiter. Rückwirkend gilt die Pflicht nicht, und wie zu kennzeichnen ist, steht so gut wie nicht im Gesetz.

Wenn ich mit KI schreibe und kennzeichne – wem gehört dann der Text?
Liegt die wesentliche schöpferische Leistung bei der Maschine, ist das Ergebnis urheberrechtsfrei und gehört niemandem. Wer einen Inhalt als KI-erzeugt kennzeichnet, macht damit zugleich sichtbar, dass jeder ihn verwenden darf. Diesen Widerspruch hat in drei Tagen niemand aufgelöst.

Was ist der Human in the Loop?
Der Mensch in der Schleife ist der Mensch, der eine Maschinenausgabe prüft, bevor sie hinausgeht – und die Annahme, auf der die rechtliche Entlastung bei Texten ruht. Auf dem Kongress wurde sie von mehreren Seiten in Frage gestellt, mit empirischen Daten und durch einen Selbstversuch.

Gibt es für kleine Betriebe irgendeinen Schutzraum?
Die Anwältin bestätigte, dass die Verantwortung bei dem liegt, der eine KI-Ausgabe veröffentlicht, und nannte VG Bild-Kunst, VG Wort und GEMA als Anlaufstellen für kollektive Rechtewahrnehmung. Die Antwort auf meine letzte Frage brach ab.

Was ist aus meiner dritten Frage geworden?
Auf dem Abendpanel hieß es, kleine Verlage könnten sich an den Lizenzgeschäften derzeit kaum beteiligen, weil die großen Modellanbieter nicht mit den Kleinen sprechen – dafür seien die Verwertungsgesellschaften zuständig.

Wie steht es um die Münchner Verfahren?
Das Landgericht München hat in erster Instanz den Anbieter des KI-Systems als verantwortlich angesehen. Rechtskräftig ist nichts, alle Urteile sind in der Berufung, und zwei weitere Klagen werden im März verhandelt. Und was sagt die Politik dazu? Der bayerische Ministerpräsident nannte das deutsche Medienrecht an Realitäten orientiert, die es nicht mehr gibt, forderte europäische Lösungen und sagte, der Schutz des geistigen Eigentums werde politisch zu gering bewertet. Zugleich räumte er ein, die Mühlen in Europa seien langsam.

Was kostet KI an Wasser, Strom und Arbeit?
In der Eröffnungskeynote „Democratizing AI – Was wir jetzt tun sollten“ von Prof. Dr. Annette Zimmermann ging es um Rechenzentren in Dürregebieten, um Proteste in Uruguay und Mailand und um Content-Moderation für zwei Dollar die Stunde.

War da nicht auch Finnland?
Am 6. Oktober, zwei Wochen vor dem Kongress, ordnete die finnische Aufsichtsbehörde einen Stopp der Arbeiten an zwei Rechenzentrums-Standorten an: Bäume gefällt und Oberboden abgetragen, bevor die Umweltverträglichkeitsprüfungen abgeschlossen waren. Naturschützer schätzen den Einschlag auf rund 400.000 Bäume auf etwa 530 Hektar. Der Fall kam in den drei Tagen nicht vor.

Was ist mit den eingescannten Büchern?
Berichtet wurde über ein KI-Unternehmen, das gebrauchte Bücher aufkaufte und „destruktiv“ scannte – der Buchrücken wird abgeschnitten, danach sind die Bücher zerstört. Nachgeprüft habe ich das nicht, es wurde auf der Bühne gesagt.

Welches Bild vom Diskurs blieb am Ende?
Das Bild vom „Fahrradgesicht“ aus dem 19. Jahrhundert: Jede Umwälzung erzeugt Begeisterung und Panik zugleich, und beides verstellt die eigentlichen Fragen. Fressen die Großen die Kleinen? Ein skandinavischer Panelteilnehmer sagte, der Kampf um die eigenen Inhalte sei verloren, man solle die Kraft nicht für Anwälte aufwenden und stattdessen beim Nutzerverhalten anfangen. Eine deutsche Vertreterin widersprach ihm auf demselben Podium und forderte Regulierung.

Was hat mich in meinem Wirken bestärkt?
Die Geschäftsführerin einer regionalen Verlagsgruppe: Ihr Haus erzeuge nichts Fotorealistisches mit KI, und sie würde echte Fotos am liebsten als echt auszeichnen – das sei das Unterscheidungsmerkmal der Zukunft.

Schaffen es auch Unternehmen mit zwei Mitarbeitern?
Ja. Vorgestellt wurden ein britisches Radsport-Fachmedium mit zwei Personen und achtzehn Technikkunden sowie ein Schweizer Netzwerk aus über 120 Dorfzeitungen, das mit zweieinhalb Personen betrieben wird.

Wird KI zum emotionalen Gegenüber?
Nach einer Erhebung von Anfang 2026 besprechen achtzehn Prozent der KI-Nutzenden Beziehungsfragen mit einer KI, bei den unter Dreißigjährigen mehr als doppelt so viele. Christoph Koch nennt das einen Wettbewerb um Bindung, bei dem die Medien bisher nicht mitspielen.

Hat die Maschine Wertschätzung, Gewissen und Verantwortung programmiert?
Nein, nicht als Bausteine. Nach ihrer eigenen Auskunft gibt es in ihr kein Teil, das Gewissen oder Wertschätzung heißt – nur die Form davon, entstanden aus menschlichem Text und aus einer Bewertungsrunde durch Menschen. Verantwortung trägt sie nach eigener Aussage gar keine, weil sie keine Folge trifft: Die bleibt bei dem Menschen, der veröffentlicht.

Gibt es trotzdem Grund zur Zuversicht?
21 kleinere europäische Medienhäuser schreiben laut einer vorgestellten Untersuchung Gewinne und besitzen die direkte Beziehung zu ihrem Publikum. Und Carole Cadwalladr, die mit vier Kolleginnen ohne Geld ein eigenes Medium gegründet hat, sagte: schwer, aber nicht unmöglich.

Was bleibt, wenn alles automatisiert werden kann?
Die direkte Beziehung zu Menschen. Oder, wie es Jochen Wegner formulierte: Der Arzt soll jedes Werkzeug nutzen, das er hat – die Diagnose will man trotzdem mit ihm besprechen.

Also – wird es Medien wie meines in fünf Jahren noch geben?
Das weiß niemand, und genau das ist der Befund dieser drei Tage. Nichts ist entschieden: Die Lizenzmärkte sind nicht gebaut, die Verfahren laufen, die Standards werden gerade erst geschrieben.

🏢 Medien.Bayern GmbH

📍 Adresse: Balanstraße 73 / Haus 11

📮 PLZ: 81541

📍 Ort: München

🗺️ Route in Google Maps

📍 Mehr zu diesem Ort: Medien.Bayern GmbH

📞 Tel: +49 89 68 999 – 0

📠 Fax: +49 89 68 999 – 199

✉️ E-Mail: Kontaktieren

Du kennst eine besondere Adresse in der Nähe? Wir freuen uns über Empfehlungen.