Marienmünster Dießen

Eine Dorfkirche am See, in der ein echter Tiepolo hängt - und über dem Chor 28 Heilige eines Geschlechts, das seit 1248 ausgestorben ist.

estfassade des Marienmünsters in Dießen am Ammersee mit Turm und Zwiebelhaube

Das Marienmünster steht am Klosterhof über dem Südende des Ammersees, ein paar Minuten vom Ufer. Von außen eine weiße Barockfassade mit Zwiebelturm, wie es im Voralpenland viele gibt. Von innen gehört es zu den bedeutendsten Barockkirchen Bayerns.

Warum heißt die Kirche Münster und nicht einfach Kirche?

Weil sie zu einem Kloster gehörte. „Münster“ kommt vom lateinischen monasterium und bezeichnet eine Kirche, die einem Stift oder Kloster zugeordnet war – nicht, wie oft angenommen, eine besonders große Kirche. Hier war es das Augustinerchorherrenstift Dießen. Gestiftet um 1114 von Berthold II., als Hauskloster und Grablege der Grafen von Dießen – jener Familie, aus der später die Grafen von Andechs hervorgingen.

Wer hat das Marienmünster gebaut?

Johann Michael Fischer, einer der großen Barockbaumeister Altbayerns, von 1732 bis 1739. Begonnen wurde der Neubau schon 1720 unter Propst Ivo Bader; als Hauptschöpfer gilt sein Nachfolger Propst Herkulan Karg. An den Entwürfen war François de Cuvilliés wahrscheinlich beteiligt. Die Stuckaturen stammen von Franz Xaver und Johann Michael Feichtmayr sowie Johann Georg Üblhör.

Welche berühmten Kunstwerke hängen hier?

Für eine Kirche am Dorfrand eine ungewöhnliche Liste:

  • Giovanni Battista Tiepolo – Martyrium des heiligen Sebastian, 1739, zweiter Seitenaltar rechts
  • Giovanni Battista Pittoni – Steinigung des heiligen Stephanus, zweiter Seitenaltar links
  • Balthasar Augustin Albrecht – Mariä Himmelfahrt am Hochaltar, 1738
  • Johann Evangelist Holzer – Engelsturz am Michaelsaltar
  • Erasmus Grasser – Petrusstatue, vom Münchner Bildschnitzer der Moriskentänzer

Das Hochaltarblatt lässt sich herunterlassen. Dahinter erscheint dann Bergmüllers Heiliges Grab von etwa 1736 – eine Mechanik, die man heute selten noch im Original findet.

Was zeigt das Deckenfresko?

Gemalt hat die Fresken Johann Georg Bergmüller. Im Langhaus die Patronin Maria im Kreis von Heiligen, darunter Szenen aus der Geschichte des Stifts. Und über dem Chorraum, 1736: 28 Heilige und Selige des Hauses Andechs-Meranien, versammelt um Christus. Darunter Graf Rasso, bezeichnet als Gründer von Grafrath. Und Mechthildis, Äbtissin von Edelstetten, deren spätgotisches Grabmal von etwa 1470 unten unter der Kanzel steht. Das Bemerkenswerte daran: Gemalt wurde die Kuppel 488 Jahre, nachdem das Geschlecht ausgestorben war. Das Stift pflegte die Erinnerung an seine Stifterfamilie ein halbes Jahrtausend lang weiter.

Was wurde aus dem Stift?

Es wurde im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Am 5. November 1802 erklärte Aufhebungskommissar Graf Ludwig von Arco das Stift für aufgehoben, im Frühjahr 1803 verließen 18 Chorherren und fünf Laienbrüder die Gebäude. Letzter Propst war Ferdinand Grasl. 688 Jahre nach der Stiftung war Schluss. Geblieben ist die Kirche — heute Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

Kann man das Marienmünster besichtigen?

Ja, die Kirche ist täglich geöffnet:

  • April bis Oktober: 9 bis 18 Uhr
  • November bis März: 9 bis 17 Uhr

Von April bis Januar finden hier die sonntäglichen Pfarrgottesdienste statt. Die Pfarrei bietet außerdem Kirchenführungen an – nicht nur für die Kuppel mit den 28 Heiligen lohnt sich das, denn von unten und ohne Erklärung bleibt sie ein unverständliches Durcheinander.

Sieht man von hier aus nach Andechs?

Ja, und das ist nachgemessen: 7,02 Kilometer über den See, Peilung 65 Grad ostnordöstlich. Der Heilige Berg steht dabei rund anderthalb Grad über dem Horizont – bei klarer Luft fast zum Greifen, bei sonstigem Wetter eine Silhouette am anderen Ufer. Wie diese Achse entstand, warum man sie von Herrsching aus nicht sieht und was es mit der Ley-Linie auf sich hat, steht ausführlich im Magazin: Eine Ley-Linie führt zu zwei berühmten Geschlechtern. Es gibt noch eine zweite Verbindung zwischen beiden Häusern, und die ist begehbar: Der bayerische Jakobsweg verbindet Kloster Andechs und das Marienmünster als Stationen.

Was gibt es rund um das Marienmünster zu sehen?

  • das Carl-Orff-Museum auf dem Weg vom Ort herauf
  • die Mechthildisquelle
  • den Schatzberg und den Elfenweiher für alle, die danach weitergehen wollen
  • die Marktstraße mit alten Fachwerkhäusern und engen Gassen
  • die Seepromenade am Dampfersteg, zehn Minuten entfernt

Mehr zum Ort im Eintrag Markt Dießen am Ammersee.

Wie kommt man hin?

Klosterhof 14, 86911 Dießen am Ammersee. Mit der Bahn bis Dießen, von dort zu Fuß durch den Ort hinauf. Oder — die schönere Variante:  mit der Bayerischen Seenschifffahrt von Herrsching über den See und vom Dampfersteg die Marktstraße hinauf.

Häufige Fragen zum Marienmünster Dießen

Wo ist das Marienmünster Dießen?
Klosterhof 14 in 86911 Dießen am Ammersee, am Südende des Ammersees oberhalb des Ortes. Mit der Bahn bis Dießen oder mit dem Schiff von Herrsching über den See.

Wann ist das Marienmünster geöffnet?
Täglich von 9 bis 18 Uhr zwischen April und Oktober, von 9 bis 17 Uhr zwischen November und März.

Wer hat das Marienmünster Dießen gebaut?
Johann Michael Fischer, von 1732 bis 1739. Begonnen wurde der Neubau 1720 unter Propst Ivo Bader, als Hauptschöpfer gilt Propst Herkulan Karg. An den Entwürfen war François de Cuvilliés wahrscheinlich beteiligt.

Warum heißt die Kirche Münster?
Von lateinisch monasterium. Der Begriff bezeichnet eine Kirche, die zu einem Kloster oder Stift gehörte — nicht eine besonders große Kirche. Hier war es das Augustinerchorherrenstift Dießen.

Was zeigt das Kuppelfresko im Marienmünster?
28 Heilige und Selige des Hauses Andechs-Meranien, versammelt um Christus. Gemalt 1736 von Johann Georg Bergmüller. Unter den Dargestellten sind Graf Rasso als Gründer von Grafrath und Mechthildis, Äbtissin von Edelstetten.

Gibt es Führungen im Marienmünster Dießen?
Ja, die Pfarrei Mariä Himmelfahrt bietet Kirchenführungen an. Anfragen über das Pfarrbüro unter 08807 94894-0.

Was gibt es rund um das Marienmünster zu sehen?
Das Carl-Orff-Museum, die Mechthildisquelle, die Marktstraße mit alten Fachwerkhäusern und die Seepromenade. Wer weitergehen möchte, findet den Schatzberg und den Elfenweiher.

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🏢 Marienmünster Dießen

📍 Adresse: Klosterhof 14

📮 PLZ: 86911

📍 Ort: Dießen

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Kirchliche Trauungen sind über das Pfarramt Dießen zu buchen. Kontaktdaten sind hier hinterlegt.

📞 Tel: +49 88 07 948 94 0

📠 Fax: +49 88 07 948 94 20

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