Am Wiesn-Wochenende gehört München der Innenstadt: Zwei Festzüge ziehen durch die Straßen, 8.267 Mitwirkende sind beim Trachten- und Schützenzug dabei – und eine Zunft tanzt mit, die man nur alle sieben Jahre zu sehen bekommt.
Zwei Tage, zwei Züge, dazwischen der Anstich. Das Wochenende, mit dem das 191. Oktoberfest beginnt, spielt sich nicht nur auf der Theresienwiese ab. Wer die Wiesn von ihrer ruhigeren, festlicheren Seite erleben will, steht am Samstag und Sonntag am Straßenrand in der Innenstadt – kostenlos, ohne Reservierung und ohne Gedränge im Zelt.
Was passiert am Wiesn-Wochenende in München?
Am Samstag ziehen die Wirte und Brauereien auf die Theresienwiese, am Sonntag folgt der große Trachten- und Schützenzug. Beide Züge organisiert der Festring München e.V. Dazwischen liegt der Anstich am Samstagmittag, mit dem das Oktoberfest offiziell eröffnet wird.
Wann und wo startet der Einzug der Brauereien und Festwirte?
Der Einzug beginnt am Samstag, 19. September 2026, um 10.35 Uhr an der Sonnenstraße und erreicht gegen zwölf Uhr die Theresienwiese. Rund tausend Mitwirkende ziehen mit: blumengeschmückte Kutschen mit den Wirtsfamilien, Festwagen mit dem Personal der Zelte, die Kapellen der Festhallen und die Prachtgespanne der Münchner Brauereien mit ihren girlandenumkränzten Bierfässern. Auch die Schausteller und die kleinen Wiesnzelte präsentieren sich auf eigenen Wägen.
Punkt zwölf Uhr zapft der Oberbürgermeister im Schottenhamel an. Zeitgleich wird auch im Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn angezapft.

Das Münchner Kindl reitet an der Spitze, im Damensitz und mit dem Maßkrug in der Hand. Archivbild von 2014 – damals ritt Maria Newzella, 2026 übernimmt Sina Hochreiter das Amt.
Wie groß ist der Trachten- und Schützenzug 2026?
Der Zug am Sonntag, 20. September 2026, ist der größere von beiden. Start ist um zehn Uhr an der Maximilianstraße, ab 9.25 Uhr läuft der Werbevorlauf der Münchner Firmen. Das Zugende liegt am Esperantoplatz an der Theresienwiese, die Strecke misst sieben Kilometer.
8.267 Mitwirkende sind dabei, gegliedert in 50 Zugnummern und 148 Gruppen. 6.653 kommen aus Bayern, 2.696 davon aus München selbst. 849 Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisen aus Österreich, den Niederlanden, Polen, Slowenien, Kroatien und der Schweiz an. Fast dreitausend von ihnen sind Musiker. Die ARD überträgt live; über eine Million Menschen verfolgen den Zug am Fernseher.
Seinen Ursprung hat der Zug im Jahr 1835, als er zur Silberhochzeit von König Ludwig I. und Therese von Bayern erstmals stattfand.

Über vierzig Gespanne und Festkutschen ziehen mit. Das Geschirr wird für den Zug eigens hergerichtet. Archivbild von 2014.
Was ist 2026 besonders?
Der Fachverein der Schäffler Münchens zieht wie in jedem Jahr mit – heuer aber in einem besonderen. 2026 ist ein Schäfflerjahr: Nur alle sieben Jahre tanzt die Zunft öffentlich, und dann nicht allein im Fasching, sondern über das ganze Jahr verteilt bei Festen und Veranstaltungen in und um München. Entsprechend engagiert ziehen die Schäffler heuer mit.
Der Brauch ist über fünfhundert Jahre alt. Nach der Pestepidemie von 1517 tanzte die Fasszunft durch die Stadt – aus Dank über das Ende der Seuche und als sichtbares Zeichen, dass man sich wieder vor die Tür traute. Wer den Tanz heuer noch sehen möchte, findet die verbleibenden Auftritte auf schaefflertanzmuenchen.de. Danach dauert es wieder sieben Jahre.
An der Spitze reitet erstmals Sina Hochreiter als Münchner Kindl, im Damensitz auf einem Kaltblut der Spaten-Brauerei. Ihre Eltern sind selbst Wiesnwirte – die Familie betreibt Hochreiters Haxnbraterei. Vorbild für ihr Gewand ist eine Grafik von Eduard Ege aus dem Jahr 1957.

Nicht nur Bayern: Gastgruppen aus mehreren Ländern ziehen mit. Rechts die Tribünen am Odeonsplatz, links die Ludwigskirche. Archivbild von 2014.
Wer zieht sonst noch mit?
Die Musikkapelle Fischbachau feiert 175 Jahre und hat zum Jubiläum den Mittenwalder Bergführer-Marsch neu arrangiert. Der Chiemgauer Alpenverband für Tracht und Sitte wird hundert. Die Riesengebirgs-Trachtengruppe München begeht ihr sechzigjähriges Bestehen – getragen heute von den Kindern und Enkeln derer, die nach dem Krieg aus dem Riesengebirge vertrieben wurden.
Aus Köln kommen die Kölsche Funke rut-wieß von 1823, das älteste Karnevalskorps der Stadt. Aus Weingarten am Bodensee reist die Stadtgarde zu Pferd an, mit Reitercorps, Fanfaren und Lanzenreitern. Aus dem Bezirk Kufstein kommt die Abordnung des Schützenviertels Unterland, begleitet von der Stadtmusikkapelle Wörgl, die selbst 150 Jahre alt wird.
Dazu Gebirgsschützen, Goaßlschnalzer, Fahnenschwinger, die Gaustandarten der 22 bayerischen Gauverbände und der Bayerische Jagdverband mit Jagdhunden und Greifvögeln.
Wo steht man beim Trachten- und Schützenzug am besten?
Der Zug wendet auf Höhe der Galeriestraße und zieht damit zweimal durch die Ludwigstraße. Wer dort steht, sieht ihn also doppelt – und hat beim zweiten Durchgang Zeit für das, was ihm beim ersten entgangen ist. Für Fotografen ist der Odeonsplatz vor der Ehrentribüne der offizielle Standort.
Was kosten die Tribünenplätze?
Beim Einzug am Samstag stehen die Tribünen an der Sonnenstraße, der Platz kostet 30 Euro inklusive Vorverkaufsgebühr. Beim Trachten- und Schützenzug am Sonntag gibt es deutlich mehr Standorte – Maximilianstraße, Max-Joseph-Platz, mehrere am Odeonsplatz, Stachus, Sonnenstraße und Kaiser-Ludwig-Platz. Dort kostet der Platz 40 Euro. Das Kombiticket für beide Tage liegt bei 60 Euro.
Karten gibt es bei München Ticket, an den bekannten Vorverkaufsstellen und über den Festring München e.V.
Kostenlos bleibt, was die meisten machen: sich an den Straßenrand stellen. Früh da sein lohnt sich.
Was läuft parallel auf der Oidn Wiesn?

Regen gehört dazu. Die Kapellen der Festzelte ziehen mit – hier am Odeonsplatz vor der Theatinerkirche. Archivbild von 2022.

